Nach der Freigabe weiterer Dokumente im Fall Jeffrey Epstein kritisieren Opfer die Veröffentlichungen als unzureichend und zu langsam. »Wir wollen einfach nur, dass alle Beweise für diese Verbrechen ans Licht kommen«, sagte Liz Stein, die eigenen Angaben zufolge in den Neunzigerjahren von Epstein missbraucht wurde, der BBC .
Dass die Akten geschwärzt, unvollständig und »ohne jeglichen Kontext« seien, sei »ein wirklich dreister Verstoß gegen den Epstein Files Transparency Act«. Laut dem Gesetz, das Mitte November verabschiedet wurde, sollte das US-Justizministerium innerhalb von 30 Tagen alle nicht als geheim eingestuften Ermittlungsakten publik machen. Diese Frist ist bereits verstrichen (mehr dazu lesen Sie hier).
»Das Justizministerium, das uns eigentlich schützen und für Recht und Ordnung sorgen soll, hat gegen das Gesetz verstoßen«, sagte Jess Michaels dem Sender CNN . Sie war eigener Aussage nach 1991 von Epstein vergewaltigt worden. Mittlerweile glaube sie nicht mehr daran, dass jemals alle Dokumente veröffentlicht werden – oder die Öffentlichkeit erfährt, warum Passagen geschwärzt wurden.
»Es ist unmöglich, dass es keine Vertuschung gibt«
Marina Lacerda, die im Alter von 14 Jahren auf Epstein traf, sagte der BBC, sie sei »nervös und skeptisch«, wie die Behörden die restlichen Akten veröffentlichen würden. Viele ihrer Mitstreiterinnen seien »sehr besorgt«, dass sie weiterhin so stark geschwärzt würden wie zuletzt.
Im Interview mit Sky News bezeichnete Lacerda die nun freigegebenen Dokumente als »Schlag ins Gesicht«. Viele Opfer seien aufgeregt gewesen, nach der Veröffentlichung aber »geschockt«, weil »nichts daran transparent ist«.
Marina Lacerda spricht auf einer Pressekonferenz zum Epstein-Transparenzgesetz
Foto: Celal Gunes / Anadolu Agency / IMAGOAshley Rubright sagte dem Sender , sie halte es »für unrealistisch, dass alle Beteiligten [...] zur Verantwortung gezogen werden«. Die Behörden und Ermittler wüssten »seit so, so langer Zeit« Bescheid. »Hätten Sie ihre Arbeit von Anfang an erledigt, wären viele von uns nicht in dieser Situation gewesen.« Sie selbst habe Epstein mit 15 Jahren in Palm Beach kennengelernt. »Es ist unmöglich, dass es keine Vertuschung gibt«, sagte Rubright mit Blick auf die stark geschwärzten Akten.
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Sharlene Rochard, die erst seit Kurzem offen über ihre Erfahrungen mit Epstein spricht, gab dem Fernsehsender CBS ein Interview. Die Veröffentlichung sei »ein erster Schritt, aber sie reicht nicht aus«. Für sie bedeute Transparenz, dass die Akten zeitnah und vollständig veröffentlicht werden. »Wenn Informationen zurückgehalten oder verzögert werden, untergräbt das Vertrauen und traumatisiert die Überlebenden erneut.«
Einer SPIEGEL-Recherche zufolge hat das US-Justizministerium einige der Epstein-Dateien erst veröffentlicht und dann wieder gelöscht. Auf einem betroffenen Foto ist Donald Trump zu sehen. Mehr dazu lesen Sie hier.
