SpOn 31.01.2026
09:08 Uhr

Jeffrey Epstein: Neue Akten belasten Ex-Prinz Andrew Mountbatten-Windsor weiter


Das US-Justizministerium hat weitere Epstein-Akten freigegeben. Darunter offenbar auch Mails und Fotos, die nahelegen, dass die Freundschaft zwischen dem als Sexualstraftäter verurteilten Milliardär und dem Ex-Royal enger war, als Andrew behauptet.

Jeffrey Epstein: Neue Akten belasten Ex-Prinz Andrew Mountbatten-Windsor weiter

Neue, am Freitag veröffentlichte Datensätze im Skandal um den US-Multimillionär und Missbrauchstäter Jeffrey Epstein enthalten auch weitere Korrespondenz mit dem früheren britischen Prinzen Andrew. Neben vielen weiteren prominenten Namen taucht offenbar auch Andrews Ex-Frau Sarah Ferguson in den Akten auf.

Aus einem E-Mail-Verlauf scheint hervorzugehen, dass Epstein im Jahr 2010 für Andrew Mountbatten-Windsor ein Dinner mit einer 26-jährigen Russin in London vermittelte – kurz nachdem der US-Amerikaner seine Strafe wegen Prostitution Minderjähriger abgesessen hatte.

In der Antwort, die mit Andrews Signatur »HRH The Duke of York KG« versehen und mit dem Buchstaben »A» unterzeichnet ist, heißt es: »(...) ich wäre entzückt, sie zu sehen.« Weitere E-Mails zeigen, dass Epstein ein Abendessen mit prominenten Teilnehmern für Andrew plante.

Epstein galt als hervorragend vernetzt und verkehrte in höchsten Kreisen. Gleichzeitig zwang er jahrzehntelang sehr junge Frauen und auch minderjährige Mädchen in ein System sexueller Leibeigenschaft.

E-Mails von Maxwell: »Ich liebe dich. Gx.«

E-Mails von Epsteins Partnerin Ghislaine Maxwell an eine Adresse, hinter der Andrew vermutet wird, sollen laut einem Bericht der britischen »Times« zeigen, wie eng und vertraulich das Verhältnis zwischen Maxwell und Andrew war. Maxwell sitzt im Gefängnis, weil sie unter anderem in der Rolle einer Zuhälterin viele Frauen für Epstein rekrutiert haben soll, die er dann missbrauchte.

In einer Nachricht an »den unsichtbaren Mann«, der allgemein als Pseudonym von Andrew verstanden wird, schrieb Maxwell, dass er ihr bester Freund sei. In einer weiteren Nachricht, die am Tag nach dem Tod von Queen Elizabeth abgeschickt wurde, schrieb Maxwell, dass es ihr leid tue, dass er »unter so traurigen Umständen« nach Hause eilen musste. Und weiter: »Sie war wunderbar, und ich bin froh, dass ich sie kennenlernen und mit ihr sprechen durfte. Wir werden einen neuen Termin vereinbaren. Ich liebe dich. Gx.«

Foto aus den Epstein-Akten

Foto aus den Epstein-Akten

Foto: DOJ / Jam Press / IMAGO

Unter den Dokumenten befinden sich auch Fotos, die Andrew zu zeigen scheinen, wie er über einer flach auf dem Boden ausgestreckten Frau positioniert ist. Auf einem Bild berührt der Mann offenbar den Bauch der Frau.

Foto aus den Epstein-Akten

Foto aus den Epstein-Akten

Foto: DOJ / Jam Press / IMAGO

Andrew beteuerte stets, von den Machenschaften seines Freunds nichts mitbekommen zu haben. Dabei erhob eines der Epstein-Opfer, die inzwischen verstorbene US-Amerikanerin Virginia Giuffre, konkrete Vorwürfe gegen den jüngeren Bruder von König Charles III.

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Giuffre warf Andrew vor, sie mehrfach sexuell missbraucht zu haben, unter anderem als Minderjährige im Jahr 2001 in London. Sie sei damals im Schlepptau Epsteins nach Großbritannien gebracht und zum Sex mit Andrew gezwungen worden, so der Vorwurf. Ein inzwischen berüchtigtes Foto zeigt die beiden angeblich im Londoner Haus von Epstein-Gehilfin Ghislaine Maxwell, wo der Missbrauch stattgefunden haben soll. Andrew stritt zwar alles ab, eine Zivilklage in den USA endete jedoch in einem angeblich millionenschweren Vergleich.

Andrew verlor im Laufe der Zeit durch die Vorwürfe sowohl seine Rolle als offizieller Vertreter des Königshauses als auch alle Ehren, militärische Ränge und Titel. Zuletzt wurde ihm von König Charles auch der durch Geburt erworbene Titel »Prinz» aberkannt.

Weitere Dokumente zeigen einen Mailverkehr zwischen Epstein und einer Sarah aus dem Jahr 2009. Der Inhalt legt nahe, dass es sich dabei um Andrews Ex-Frau Sarah »Fergie« Ferguson handelt. Epstein wird darin etwa als »Legende« und »Bruder, den ich mir immer gewünscht habe«, bezeichnet. Eine E-Mail schließt mit den Worten: »Liebe Grüße, Sarah, die Rothaarige!!«. Ferguson hatte bereits 2011 in einem Interview mit der Zeitung »Evening Standard« zugegeben, von Epstein 15.000 Pfund (etwa 17.000 Euro) angenommen zu haben und die Verbindung zu dem Sexualstraftäter bedauert.

Auch Trump, Musk und Gates werden erwähnt

Das US-Justizministerium gab am Freitagabend mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten sowie Tausende Videos und Fotos frei. Die reine Nennung oder Abbildung in den Epstein-Akten ist kein Hinweis auf ein Fehlverhalten. Viele der bereits früher identifizierten Personen hatten eine Verstrickung in Epsteins kriminelle Machenschaften stets abgestritten.

Auch der Name Donald Trump taucht vielfach in den Dokumenten auf. Weitere prominente Namen in den Unterlagen sind Bill Gates, Elon Musk und der britische Milliardär Richard Branson. Verifizieren lassen sich viele der nun veröffentlichten Schriftwechsel nicht. Keiner der Genannten wurde bisher offiziell beschuldigt.

Musk fragte offenbar nach »wildester Party«

Musk hatte vor Kurzem angegeben, dass Epstein ihn auf seine Insel eingeladen habe, er dies jedoch abgelehnt habe. Den neu veröffentlichten E-Mails zufolge hat der Milliardär allerdings mehr als einmal zumindest über eine Reise dorthin gesprochen. Im Jahr 2012 fragte er demnach Epstein: »An welchem Tag/in welcher Nacht findet die wildeste Party auf Ihrer Insel statt?« Es gibt allerdings keine Beweise dafür, dass Musk jemals eine Reise zu Epsteins Insel unternommen hat.

Zwei E-Mails aus dem Jahr 2013 scheinen von Epstein an Bill Gates verfasst worden zu sein, es ist aber unklar, ob sie jemals verschickt wurden. Beide wurden von Epsteins E-Mail-Konto aus an dasselbe Konto zurückgeschickt, während kein mit Gates verbundenes E-Mail-Konto sichtbar ist und beide E-Mails nicht signiert sind.

Eine E-Mail ist als Kündigungsschreiben an die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung verfasst, darin auch eine Beschwerde, dass Medikamente für Gates beschafft werden mussten, »um die Folgen des Sex mit russischen Mädchen zu behandeln«.

Akten mit mehr als einem Monat Verspätung veröffentlicht

Die andere E-Mail beginnt mit »Lieber Bill« und beschwert sich darüber, dass Gates eine Freundschaft beendet habe. In der Mail werden weitere Vorwürfe erhoben, dass Gates versucht habe, eine sexuell übertragbare Infektion zu vertuschen, unter anderem gegenüber seiner damaligen Frau Melinda.

Ein Sprecher von Gates sagte der BBC : »Diese Behauptungen – von einem erwiesenen, verärgerten Lügner – sind absolut absurd und völlig falsch.«

Eigentlich hätten die Akten bereits am 19. Dezember veröffentlicht werden sollen. Die Verzögerung begründete die Regierung von Trump mit der Notwendigkeit, die Identität der Opfer Epsteins unkenntlich zu machen. Auch in den neuen Akten gibt es zahlreiche geschwärzte Stellen. Darunter sind laut der Erklärung des Justizministeriums auch »einige pornografische Bilder«. Dagegen betonte das Ministerium: »Prominente Persönlichkeiten und Politiker wurden bei der Veröffentlichung der Akten nicht geschwärzt.«

Epstein steht unter Verdacht, Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er war erstmals 2008 verurteilt worden, weil er die Dienste von minderjährigen Prostituierten in Anspruch genommen hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft lautete die Strafe damals aber nur 18 Monate Gefängnis.

2019 wurde Epstein unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat nach seiner Festnahme wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben beging er Suizid.

Erste Vorwürfe gegen den Multimillionär Jeffrey Epstein gab es bereits vor mehr als 20 Jahren. Lesen Sie hier eine Chronologie des Falls.

svs/dpa