SpOn 22.01.2026
12:08 Uhr

Jeff Bezos will Tausende neue Satelliten ins All schießen


Das Raumfahrtunternehmen Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos plant, Tausende weitere Satelliten im Weltraum zu stationieren. Eine Kampfansage an Elon Musks Satelliteninternet Starlink.

Jeff Bezos will Tausende neue Satelliten ins All schießen

Blue Origin, das Raumfahrtunternehmen von Jeff Bezos, will 2027 Tausende neue Satelliten für ins All schießen. Damit fordert das Unternehmen des Amazon-Gründers den Rivalen von SpaceX von Elon Musk heraus. Im Kampf um das beste Satellitennetzwerk steht Starlink bisher ziemlich konkurrenzlos im All.

Blue Origin kündigte den Aufbau von »TeraWave« an, das aus 5408 Satelliten bestehen soll. Die Stationierung soll im vierten Quartal 2027 beginnen. Anders als das Starlink-System von Tesla-Chef Musk, das auch Endverbraucher bedient, zielt TeraWave jedoch primär auf Regierungskunden, Rechenzentren und Unternehmen ab. Das neue Netzwerk ist auf besonders hohe ‌Übertragungsraten ausgelegt. Geplant sind symmetrische Datenraten von ⁠bis zu ‍sechs Terabit pro Sekunde – also 6000 Mal schneller als eine Gigabit-Leitung. Diese Leistung liegt weit über den Standards für Privatkunden und ist für die Verarbeitung sehr großer Datenmengen ausgelegt. ​Blue Origin zufolge soll das Netzwerk maximal rund 100.000 ‌Kunden bedienen.

Der Kampf um die Internethoheit im Weltraum hat auch mit dem rasant steigenden Bedarf an Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz zu tun. Die Verlagerung ins All soll helfen, den immensen Energie- ⁠und Ressourcenbedarf zu bewältigen, den KI-Anwendungen auf der Erde verursachen. TeraWave könnte hierfür die nötige Infrastruktur bereitstellen.

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Für Bezos ist es das zweite Großprojekt in ‌der Umlaufbahn. Er treibt parallel das Netzwerk »Leo« ‍voran, früher bekannt als Project Kuiper. Dieses soll mit 3200 Satelliten Internet für Privatkunden und ‍Unternehmen liefern. Musk ist mit seinem Starlink-System im Weltall-Wettrennen jedoch weit voraus: SpaceX betreibt bereits ein Netzwerk aus rund 10.000 Satelliten im ‍niedrigen Erdorbit, die aufgrund ihrer Nähe zur Erde schnellere Verbindungen bieten als herkömmliche ⁠Satelliten in ​höheren Umlaufbahnen.

Europa liegt weit zurück im Weltraum-Internetrennen

SpaceX war mit Starlink ein Vorreiter bei schnellem Internet aus dem All. Amazon ging aber frühzeitig davon aus, dass es Interesse an einer Alternative geben wird. Musk und Bezos konkurrieren schon seit Jahren mit ihren Raketen-Projekten. Bis Bezos im Rennen mit Musk aufgeholt hat, dürfte es einige Jahre und viele Milliarden US-Dollar kosten.

Spätestens der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat gezeigt, dass Europa für Satelliteninternet auf Techgiganten wie Musk angewiesen ist. Ein von der Europäischen Union angestoßenes Projekt mit dem Namen Iris²  soll das ändern. Das Konsortium »SpaceRise«, an dem auch die Telekom und Airbus beteiligt sind, will 290 Satelliten in niedrigen und mittleren Weltall-Umlaufbahnen platzieren, um Internet- und Mobilfunkverbindungen zu ermöglichen. Der Aufbau soll erst 2030 abgeschlossen sein und rund elf Milliarden Euro kosten.

pam/Reuters/dpa