SpOn 28.11.2025
21:27 Uhr

Jean-Pascal Hohm als neuer AfD-Jugend-Chef: 28 Jahre, Typ Schwiegersohn, Rechtsextremist


Die AfD gründet ihre Parteijugend neu – und setzt als Chef auf einen bestens vernetzten Rechtsextremisten. Wer ist Jean-Pascal Hohm, der die Nachwuchsorganisation in eine »Kaderschmiede« verwandeln will?

Jean-Pascal Hohm als neuer AfD-Jugend-Chef: 28 Jahre, Typ Schwiegersohn, Rechtsextremist

Die Generalprobe ging schon mal schief. Vor zwei Wochen lud Jean-Pascal Hohm in Cottbus, seinem Wahlkreis, zu einer Jugendparty ein. Die jungen AfDler hatten die Stehtische an den Rand geschoben, belegte Brote auf Alutabletts drapiert, die Lichtanlage warf blaues Licht in den Raum. Referenten aus Deutschland und Polen sollten patriotische Reden schwingen, Freigetränke waren angekündigt. Doch die Jugend kam nicht. Hohm stand zu Beginn der Feier im blauen Hemd im leeren Saal, mit ihm nur einige Anhänger.

Jean-Pascal Hohm ist der designierte Chef der neuen AfD-Jugendorganisation. Schon lange, bevor sie an diesem Wochenende in Gießen gegründet wird, hat sich die Partei auf ihn festgelegt. Theoretisch ist es denkbar, dass auf dem Gründungskongress spontan noch ein Gegenkandidat antritt. »Ich sage immer, bei unserer Partei kann alles passieren«, sagt Hohm. Aber Chancen dürfte ein Herausforderer gegen ihn kaum haben.

Wer ist der Mann? Und wie tickt er?

Der radikale Schwiegersohn

2017 im Fanblock des Fußballvereins Energie Cottbus. Vermummte brüllen antisemitische Parolen , so zeigt es ein Video des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus. Die gegnerische Mannschaft wird als »Zecken«, »Zigeuner« und »Juden« beschimpft. Rotes Feuer leuchtet über der schwarz vermummten Menge. Mittendrin: Jean-Pascal Hohm. Andere Männer zeigen den Hitlergruß. Hohm sieht man nicht den Arm heben. Doch das Video zeigt, in welcher Gesellschaft er sich bewegt.

Mittlerweile ist Hohm 28, Brandenburger Landtagsabgeordneter seit 2024. Er trägt gern Pullover in gedeckten Farben über seinem Hemd. »Der perfekte Schwiegersohn«, so nennen ihn Parteifreunde in Brandenburg. Seine Aussagen aber sind alles andere als bieder: Deutschland erlebe einen »Bevölkerungsaustausch«, Städte würden »mit Millionen Kulturfremden geflutet«, Widerstand sei Pflicht. Jugendliche fordert er auf, Kampfsport zu betreiben – für die »Wehrhaftigkeit«.

Der Brandenburger Verfassungsschutz schreibt in einem Gutachten aus diesem Jahr, Hohm nehme »persönlich und privat Anteil an einer rechtsextremen Subkultur«. Er führe mit sogenannten »Jugendabenden« und seiner Beteiligung an der Cottbuser Fußball-Szene der AfD jungen Nachwuchs zu. Und: Hohm unterscheide aufgrund ethnischer und biologischer Kriterien zwischen Staatsbürgern erster und zweiter Klasse. 27-mal wird Holm im Einstufungsvermerk des Verfassungsschutzes erwähnt .

Innerhalb der AfD kann Hohm trotzdem seit Jahren Karriere machen. Er war nach SPIEGEL-Informationen schon 2017 Teil eines internen »Führungskongresses« und arbeitete für mehrere Abgeordnete. Nun gehört er zum Netzwerk um Sebastian Münzenmaier, einem der mächtigsten Strippenzieher der Bundestagsfraktion . Professioneller auftreten, aber nicht weniger radikal, so das gemeinsame Mantra.

DER SPIEGEL

Hohm träumt von einer Jugendorganisation als »Kaderschmiede« für die Zukunft der AfD. Eigenständig, aber loyal.

Viele AfD-Funktionäre hoffen genau darauf. Die Junge Alternative – seit 2023 offiziell als rechtsextrem eingestuft – habe man aufgelöst, um endlich Ruhe in den eigenen Laden zu bekommen, erzählen sie. Der Nachwuchs müsse straffer geführt werden, es dürfe keine dauernden Skandalmeldungen mehr geben.

Parteichefin Alice Weidel selbst versprach, die Neugründung werde der AfD-Spitze »Durchgriffsmöglichkeiten« sichern. Hohm ist dafür ihr Mann.

Träumt von einer Kaderschmiede für die AfD: Jean-Pascal Hohm

Träumt von einer Kaderschmiede für die AfD: Jean-Pascal Hohm

Foto: Andreas Franke / IMAGO

Bislang mussten die Mitglieder der Jungen Alternative nicht Mitglied der AfD sein. Das wird sich nun ändern, laut dem Entwurf des Jugendstatuts, das dem SPIEGEL vorliegt. Es ist eine Art Grundsatzprogramm des Parteinachwuchses. Nachdem die Teilnehmer auf dem Parteitag darüber diskutiert und abgestimmt haben, wird der Vorstand der AfD das Programm »genehmigen«, also den Daumen heben oder senken. Erst dann gilt die neue Parteijugend als offiziell gegründet.

Es gibt bereits einige Änderungsanträge für das Jugendstatut. Der AfD-Nachwuchs will zum Beispiel darüber abstimmen, ob man sich nicht lieber »Jugend Germania« statt »Generation Deutschland« nennen will. Oder ob man doch wieder den Namen »Junge Alternative« nutzen könne – schließlich sei »Generation Deutschland« weder besonders kreativ noch besonders aussagekräftig.

Um die »Generation Deutschland« auf Kurs zu bringen, sieht das Statut auch vor, dass die Unvereinbarkeitsliste der AfD künftig auch für die Jugend gelten soll. Heißt: Wer Mitglied der Organisationen auf der Liste war oder ist, kann bei AfD und »Generation Deutschland« nicht Mitglied sein. Dazu zählt etwa die Partei »Die Heimat«, ehemals NPD, und die rechtsextreme »Identitäre Bewegung«.

Nicht allen gefällt das. Aus der »Identitären Bewegung« kommt Kritik an der neuen Jugend und ihrem designierten Vorsitzenden: Zu sehr auf Linie, heißt es. In der Fraktion gibt es ebenfalls Unmut, er richtet sich auch gegen Weidel und ihren Co-Parteichef Tino Chrupalla. Ein AfD-Bundestagsabgeordneter sagt: »Warum können Weidel und Chrupalla nicht zu unserer Jugend stehen und sie einigermaßen unbehelligt machen lassen, wie Erwachsene?«

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Vertreter der neuen AfD-Jugend betonen die Unabhängigkeit der Jugend. »Die neue Jugendorganisation darf kein bloßes Anhängsel der Partei sein, und ihre Funktionäre dürfen keine aalglatten Karrieristen werden«, sagt Robert Claus. Er hat angekündigt, in Gießen für den Bundesvorstand zu kandidieren, der Thüringer Landesverband unterstützt ihn. Aus der Partei brauche es Vertrauen, »keine Bevormundung«, sagt er dem SPIEGEL.

Man darf gespannt sein, was für eine Rede Hohm in Gießen halten wird. Krawallig und hart rechts – das würde ihm wahrscheinlich ein gutes Wahlergebnis einbringen. Zugleich muss er aufpassen, dem anwesenden Bundesvorstand der AfD keine Probleme zu bereiten. Zumindest ein Wochenende lang müssen Hohm und sein neuer Verband den Anschein einer Professionalisierung wahren.

Der SPIEGEL kennt die Liste, aus der ein 15-köpfiger Bundesvorstand für die neue Jugendorganisation gewählt werden soll. Warum die Personalien radikaler denn je sind, lesen Sie hier.