SpOn 30.12.2025
19:04 Uhr

Japan – Sanae Takaichi: Regierungschefin bezieht »verfluchte« Residenz


Die Japaner sagen, die Residenz des Regierungschefs werde von Geistern ehemaliger Militärs heimgesucht. Premierministerin Sanae Takichi zieht nun trotzdem ein – mit Verspätung.

Japan – Sanae Takaichi: Regierungschefin bezieht »verfluchte« Residenz

Wer glaubt hier an Geister? Die japanische Regierungschefin Sanae Takaichi, 64, offenbar nicht. Gut zwei Monate nach ihrem Amtsantritt hat die Ministerpräsidentin ihre offizielle Dienstresidenz bezogen, in der angeblich die Geister japanischer Soldaten herumspuken.

Bis Montag hatte Takaichi in einer Unterkunft für Parlamentsabgeordnete gewohnt, statt in dem Backsteinbau direkt neben ihrem Dienstsitz im Zentrum von Tokio. Sie hatte sich dafür jedoch Kritik eingehandelt, als sie Anfang des Monats nach einem schweren Erdbeben im Norden Japans 35 Minuten benötigte, um zu ihrem Büro gelangen.

Bei ihrem Amtsantritt hatte die 64-Jährige angekündigt, sie wolle »arbeiten, arbeiten, arbeiten, arbeiten und arbeiten«. In einem Interview sagte Takaichi kürzlich, sie schlafe vor lauter Arbeit nie mehr als zwei bis vier Stunden pro Nacht. Das kam nicht überall gut an; Überarbeitung ist ein gesellschaftliches Problem in Japan, es gibt sogar einen Begriff für den Tod durch Überarbeitung: »Karoshi«.

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Abgesehen von der Arbeit könnte der Volksmund dafür sorgen, dass sie in ihrem neuen Zuhause nicht allzu viel Schlaf bekommt: Demnach wird die Residenz von den Geistern ehemaliger Militärs heimgesucht, die dort in den Dreißigerjahren bei zwei Putschversuchen mehrere ranghohe Regierungsmitglieder ermordet hatten.

Die Sage hält sich, obwohl Takaichis Vorgänger zumindest offiziellen Angaben zufolge nicht heimgesucht wurden. Shigeru Ishiba, von dem die aktuelle Premierministerin im Oktober übernahm, sah sich aber genötigt, zu betonen, dass er keine Angst vor Geistern habe .

hba/AFP