SpOn 27.02.2026
11:42 Uhr

Japan: Sanae Takaichi gegen Öffnung des Kaiserthrons für Frauen


In Japan sitzt seit jeher ein Mann auf dem Kaiserthron. Immer mehr Menschen können sich dort auch eine Frau vorstellen – doch die konservative Premierministerin Sanae Takaichi steht für eine andere Linie.

Japan: Sanae Takaichi gegen Öffnung des Kaiserthrons für Frauen

Japans Gesellschaft gilt als konservativ, auch viele junge Menschen im Land halten trotz liberalerer Ansichten weiterhin traditionelle Werte hoch. Eine Entscheidung der neuen Regierungschefin Sanae Takaichi zur Kaiserfamilie dürfte im Land dennoch für Diskussionen sorgen.

Takaichi hat sich gegen eine Öffnung des Kaiserthrons für Frauen ausgesprochen.

Ein Expertengremium habe es 2021 als »angemessen« eingestuft, die Thronfolge auf männliche Nachkommen der kaiserlichen Familie zu beschränken, sagte Takaichi am Freitag vor dem Parlament in Tokio. »Die Regierung und auch ich selbst respektieren diese Einschätzung«, sagte Takaichi, die als erste Frau an der Spitze der japanischen Regierung steht.

Vorrang für den Bruder und den Neffen

In Japan dürfen nur Männer den Thron besteigen. Die Tochter von Kaiser Naruhito und Kaiserin Masako, Prinzessin Aiko, kann daher nicht Kaiserin werden. Auf Platz eins und zwei der Thronfolge stehen der jüngere Bruder von Kaiser Naruhito, Kronprinz Akishino, und dessen Sohn, Prinz Hisahito. Auch Hisahitos ältere Schwestern werden übergangen.

Naruhito ist der 126. Tennō, wie der Kaiser in Japan genannt wird. Seine Herrschaft ist rein symbolischer Natur, eine politische Gestaltungsmacht hat er nicht. Hisahitos Regentschaft wird in Japan als Übergang zwischen Tradition und Moderne verstanden. Die Kaiserfamilie mit ihrem Sitz im Zentrum der Hauptstadt Tokio pflegt weiter rituelle Handlungen, steht aber sonst für ein modernes Kaisertum und gilt als Symbol der Einheit des japanischen Volkes.

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In Japan wird seit Jahrzehnten immer wieder über die strenge Thronfolgeregelung diskutiert. Umfragen zufolge sind die allermeisten Japanerinnen und Japaner offen für eine Frau an der Spitze des Kaiserhauses. Vor allem Takaichis konservative Regierungspartei will jedoch strikt an der patrilinearen Thronfolge festhalten.

Eine wachsende Zahl von Zuwanderern und Touristen schreckt das überalterte Japan auf. Neue Rechtsparteien spüren Aufwind, die erzkonservative Takaichi verspricht einen strengen Kurs gegen Fremde. Mehr dazu lesen Sie hier .

mrc/AFP