Ein Gericht in Japan hat den Mann, der vor dreieinhalb Jahren den früheren Ministerpräsidenten Shinzō Abe erschoss, zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Bezirksgericht in Nara folgte damit der Forderung der Staatsanwaltschaft.
Der heute 45 Jahre alte Tetsuya Yamagami war gleich nach dem Attentat vor laufenden Kameras überwältigt und festgenommen worden. Er hatte Japans am längsten amtierenden Ministerpräsidenten der Nachkriegszeit mit einer selbst gebauten Schusswaffe bei einer Wahlkampfrede in Nara erschossen. Abes gewaltsamer Tod im Juli 2022 hatte weltweit für Entsetzen gesorgt.
Verteidigung forderte milderes Urteil
Richter Shinichi Tanaka bezeichnete die Tat als »verabscheuungswürdig«. Es sei klar, dass der Gebrauch einer Schusswaffe in einer großen Menschenmenge ein extrem gefährliches und bösartiges Verbrechen sei, zitierte ihn der Sender NHK.
Urteilsverkündung in Nara, dreieinhalb Jahre nach der Tat
Foto: Kyodo News / IMAGOEin Schuldspruch galt als sicher, nachdem Yamagami die Tat bereits zu Beginn des Prozesses im Oktober gestanden hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haft gefordert und von einem beispiellosen Vorfall gesprochen. Die Verteidigung hatte dagegen auf eine Strafe von maximal 20 Jahren plädiert. Sie führte familiäre Probleme im Zusammenhang mit der umstrittenen Vereinigungskirche an, die das Motiv für die Tat gewesen seien.
Verbindung zwischen Politik und Mun-Sekte
Yamagami sagte laut Medienberichten vor Gericht, er habe aus Hass auf die auch als Mun-Sekte bezeichnete Organisation gehandelt. Seine Mutter sei der religiösen Organisation verfallen und habe ihr hohe Summen gespendet, was die Familie zerrüttet und in den finanziellen Ruin getrieben habe.
Abe sei für ihn zum Ziel geworden, weil er in dem erzkonservativen früheren Ministerpräsidenten die zentrale Figur in der Verbindung zwischen der Sekte und Japans Politik sah. In der Folge des Attentats auf Abe waren die jahrzehntelangen Verbindungen zwischen der Organisation und Mitgliedern der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP), deren Chef Abe war, ins Rampenlicht geraten. Abes Großvater hatte laut Medienberichten die Organisation in Japan eingeführt. Abe selbst sprach demnach bei einem Event in Verbindung mit der Sekte.
Der Fall löste heftige Kritik an den aggressiven Spendensammelmethoden der Sekte aus und warf ein Schlaglicht auf die Notlage der Kinder von Anhängern. Viele Menschen zeigten Mitgefühl für den Angeklagten und schickten ihm laut Berichten Bargeld ins Gefängnis. Zur Urteilsverkündung hatten rund 700 Menschen versucht, einen der 31 öffentlichen Plätze im Saal zu bekommen.
