Die deutsche Webvideoszene trauert um eines ihrer bekanntesten Gesichter, Jan Zimmermann vom YouTube-Kanal »Gewitter im Kopf« . »Jan ist sehr plötzlich und unerwartet am 18. November an einem epileptischen Anfall verstorben«, hatte am Montagabend im Namen der Angehörigen der Instagram-Account von »Gewitter im Kopf« bekannt gegeben . Zuvor hatten unter Berufung auf die Bonner Polizei bereits viele Medien über den Tod des Internetstars berichtet. (Unsere erste Nachricht zum Thema finden Sie hier.)
Das Posting auf dem Instagram-Account von »Gewitter im Kopf« hat binnen der ersten 13 Stunden bereits rund 450.000 Likes gesammelt, die Anteilnahme am Tod des 27-Jährigen ist groß. Dutzende User, aber auch andere YouTuber, Streamer und Influencer wie Knossi, Rezo und Julia Beautx bekunden in der Kommentarspalte unter dem Instagram-Post ihr Beileid. Sandra Safiulov aka selfiesandra etwa schreibt: »Jan, du warst ein ganz toller Mensch! Wir werden dich niemals vergessen!« Und Sep von der Gaming-Gruppe PietSmiet kommentierte: »Herzliches Beileid 🖤 fand unseren Austausch und seine Aufklärung so wichtig!«
Internetstars wie Rewi und Aaron Troschke gingen zudem in Storys und anderen Social-Media-Postings auf den Tod von Zimmermann ein, mit Botschaften wie »Mach’s gut, du warst einer der nettesten, freundlichsten und liebsten Menschen, die ich je kennenlernen durfte«. Viele User nutzen zudem die Kommentarspalten älterer YouTube- und TikTok-Videos von »Gewitter im Kopf«, um dort Abschiedsgrüße zu hinterlassen.
Netzstar Zimmermann: Der SPIEGEL fotografierte ihn im Frühjahr 2025
Foto: Nadine Schwickart / DER SPIEGELAuf Instagram meldete sich Dienstagvormittag sogar der offizielle, sonst primär englischsprachige YouTube-Account zu Wort, mit dem Kommentar: »Unser herzliches Beileid, wir werden Jan vermissen.« Ein TikTok-Posting auf dem dortigen Account von »Gewitter im Kopf« steht derweil bei 2,7 Millionen Abrufen und 315.000 Likes.
Einer der am schnellsten wachsenden Kanäle
Jan Zimmermann prägte die deutsche YouTube-Szene vor allem in den Jahren 2019 bis 2023. »Gewitter im Kopf«, aktuell bei knapp zwei Millionen Abonnenten rangierend, war nach seinem Start hierzulande einer der am schnellsten wachsenden Kanäle überhaupt. Viele Clips wie »Tourette im Zoo«, »Tourette in der Schule« oder »Mit Tourette beim Zahnarzt« sammelten allein auf YouTube mehrere Millionen Abrufe.
Die Videos waren meist ein Mix aus Comedy und Aufklärung über Zimmermanns Krankheit, das Tourettesyndrom. Bei ihm machte es sich zumeist durch Pöbeleien und Gesten bemerkbar, die sogenannten Tics, die er einer »Gisela« zuschrieb.
Ende 2022 ließ sich Zimmermann mit einer sogenannten tiefen Hirnstimulation behandeln. Mitte 2023 erklärte er seinen vorläufigen Abschied von YouTube, bevor er Anfang 2025 mit neuen Themen ein Comeback als Content-Creator feierte. Wie Zimmermann zu diesem Zeitpunkt auf seine steile Netzkarriere zurückschaute, inklusive mancher Skandale, lesen Sie in diesem Porträt von SPIEGEL-Autor Pascal Mühle.
Auf gesellschaftlicher Ebene betrachtet dürfte das mediale Wirken Zimmermanns vor allem dafür in Erinnerung bleiben, wie er und Tim Lehmann das Thema Tourette ins Licht der Öffentlichkeit rückten und damit auch anderen Betroffenen halfen. »Danke für alles, was du für Menschen mit Tourette getan hast«, schrieb am Montagabend zum Beispiel Jonas Rühl auf Instagram, der unter dem Namen »papa.mit.tics« selbst über das Thema aufklärt. In einer Instagram-Story erklärte Rühl, er könne nicht zählen, wie oft er Menschen habe sagen hören, dass sie Tourette von »Gewitter im Kopf« kennen. »Er hat mit seinem Wirken sehr dazu beigetragen, dass Tourette einen Platz in der Gesellschaft hat«, schrieb er über Zimmermann.
Auf dem Account von »Gewitter im Kopf« hieß es am Montagabend, wohl in Bezug auf die ersten Medienberichte, leider sei den Angehörigen die Möglichkeit genommen worden, sich während der Trauer zu äußern. »Der Schmerz, der in uns sitzt, lässt sich mit keinen Worten beschreiben, jedoch möchten wir uns für eure Anteilnahme bedanken. Wir fühlen uns aktuell nicht in der Lage, mehr dazu zu sagen. Bitte seht von weiteren Nachrichten diesbezüglich an uns ab.«
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In Erinnerung an Jan Zimmermann hieß es weiter: »Sein Humor, seine Ehrlichkeit und sein großes Herz waren Geschenke, die er mit allen geteilt hat. Er hat Menschen Mut gegeben, die ihn nie persönlich getroffen haben, und hat ihnen gezeigt, dass man auch in schweren Tagen liebevoll und offen durchs Leben gehen kann.« Der Post, unter anderem im Namen von Tim Lehmann und Jan Zimmermanns Mutter abgesetzt, endet schließlich mit den Worten: »Für immer geliebt, für immer unvergessen, wir lassen dich gehen, aber niemals los.«
