SpOn 02.12.2025
14:47 Uhr

JVA Burg: Häftling soll Ehefrau im Besuchszimmer getötet haben, Anwältin kündigt Aussage an


Eine 35-Jährige besucht ihren Mann im Gefängnis – dort kommt sie durch »Gewalt gegen den Hals« ums Leben. Nun steht der Häftling vor Gericht. Eine JVA-Mitarbeiterin berichtet vom Tag der Tat.

JVA Burg: Häftling soll Ehefrau im Besuchszimmer getötet haben, Anwältin kündigt Aussage an

Am Landgericht Stendal hat der Prozess gegen den Häftling begonnen, der seine Ehefrau während eines Besuchs in der Justizvollzugsanstalt Burg getötet haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 38-Jährigen Totschlag vor. Er habe seine Ehefrau so kräftig am Hals gewürgt, dass später trotz umfangreicher Reanimationsmaßnahmen deren Tod festgestellt worden sei, sagte die Staatsanwältin, die die Anklage im Gerichtssaal vortrug.

Die Anwältin des Angeklagten kündigte an, dass ihr Mandant sich zu dem Vorwurf äußern wird. Dies erfolge aber nicht heute, sagte sie.

Anruf im Dienstzimmer

Die 35-jährige Frau war im April im Besuchszimmer tot aufgefunden worden. Eine Obduktion ergab, dass sie durch »Gewalt gegen den Hals« ums Leben kam.

Eine Justizvollzugsbeamtin schilderte vor Gericht, dass während der Besuchszeit über die in der Langzeitbesuchszelle installierte Rufanlage ein Anruf im Dienstzimmer eingegangen sei. Sie habe diesen entgegengenommen, jedoch ausschließlich »Sexgestöhne« einer Frau gehört. Auch auf ihre Nachfrage hin habe niemand in der Zelle etwas gesagt, so die 52 Jahre alte Zeugin. Ein Kollege sei schließlich zu der Langbesuchszelle gegangen, habe aber nichts feststellen können. Den Raum habe er jedoch nicht betreten, sagte die Justizvollzugsbeamtin.

Wiederbelebung erfolglos

Am Ende der Besuchszeit habe eine Kollegin dann die tote Frau in dem Raum gefunden und um Hilfe gerufen, sagte die Zeugin. Bis zum Eintreffen des medizinischen Personals seien Wiederbelebungsmaßnahmen unternommen worden. Vor dem Besuch habe die Ehefrau des Häftlings normal auf sie gewirkt, sagte die Justizvollzugsbeamtin. »Sie hat sich definitiv auf den Besuch gefreut.«

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In umgangssprachlich »Liebeszellen« genannten Besucherräumen können Häftlinge meist mehrere Stunden lang unbeaufsichtigt Zeit mit ihren Partnerinnen oder Familienangehörigen verbringen. Die Räume sind nach Zeugenangaben nicht videoüberwacht.

bbr/dpa