SpOn 18.02.2026
04:32 Uhr

JD Vance: US-Vizepräsident wirft Europa bei Fox News vor, sich selbst zu »sabotieren«


»Das Problem mit Europa ist nicht, dass wir es nicht mögen...« Der US-Vizepräsident hat in einem Interview über die transatlantische Beziehungskrise gesprochen. Immerhin: JD Vance betont auch Fortschritte.

JD Vance: US-Vizepräsident wirft Europa bei Fox News vor, sich selbst zu »sabotieren«

Das schwierige transatlantische Verhältnis war ein zentrales Thema auf der Münchner Sicherheitskonferenz vom vergangenen Wochenende. US-Außenminister Marco Rubio hielt dabei eine vergleichsweise freundliche Rede: Er sagte, Europa und die USA gehörten zusammen – was bei den Europäern Erleichterung auslöste. Ein Jahr zuvor hatte US-Vizepräsident JD Vance an selber Stelle mit seiner Tirade gegen Europa Schockwellen ausgelöst (mehr dazu hier ).

Nun hat Vance den Beziehungsstatus zwischen den USA und Europa in einem Interview mit dem Sender Fox News erläutert: »Das Problem mit Europa ist nicht, dass wir es nicht mögen«, sagte er, auch wenn europäische Medien das so darstellten. »Es ist nicht so, dass wir unsere Verbündeten nicht respektieren. Es ist vielmehr so, dass sie sich selbst vielfach sabotieren.«

Die US-Regierung wolle, dass dies aufhöre, so Vance. »Wir möchten, dass Europa ein Verbündeter im eigentlichen Sinn des Wortes ist.«

Es habe den Druck der USA gebraucht, damit sich Europa bewege, erklärte Vance:

  • US-Präsident Donald Trump habe gefordert, dass die Europäer mehr Geld für ihre Sicherheit ausgeben müssten. »Das geschieht definitiv.«

  • Trump habe verlangt, Europa müsse seine Grenzen schützen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt sicherzustellen. »Das geschieht ein wenig«, so Vance.

  • Außerdem habe der Präsident von Europa gefordert, die freie Meinungsäußerung ernster zu nehmen. Auch das geschehe »ein wenig«.

»Wir haben viele Fortschritte erzielt, aber offen gestanden wünschen wir uns von unseren europäischen Verbündeten deutlich mehr«, sagte Vance. Das sei besser für die Europäer selbst. »Und sie wären dann bessere Partner für uns.«

DER SPIEGEL

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hatte sich gezeigt, wie schlecht es derzeit um das transatlantische Verhältnis steht. Zweieinhalb Tage lang bemühten sich Politiker, Diplomatinnen und Militärs aus Europa herauszufinden, was sie von den USA unter Donald Trump noch erwarten können (mehr dazu hier ).

Die Botschaft von Vance ist nun klar: Europa kann gern Partner der USA sein – aber eben zu den Bedingungen der Amerikaner. Ganz ähnlich hatte es Marco Rubio am Samstag in seiner Münchner Rede formuliert. Wenn Washington »direkt« oder »drängend« wirke, so Rubio, dann sei das deshalb, weil man sich sorge, sich kümmern wolle. Es gehe darum, »eine alte Freundschaft mit neuem Leben zu füllen«.

Merz irritiert über Applaus für Rubio

Rubio bekam in München für seine versöhnlichen Sätze immer wieder Applaus, zwischenzeitlich standen die Anwesenden dafür auch auf. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte dazu nun, Rubios Rede sei zwar nicht so konfrontativ gewesen wie die von Vance im Vorjahr. Aber: »Es ist halt Trump in einer freundlicheren Verpackung.«

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Er sei nicht im Saal gewesen, sagte Merz im Politik-Podcast »Machtwechsel«. Auch wenn er dort gewesen wäre, hätte er sich schwer damit getan, aufzustehen. »Die Community war froh, dass da ein Amerikaner vorne stand, der sie noch als Freunde angesprochen hat. Allein das hat ja eine gewisse Emotion ausgelöst. Mir hätte es nicht gereicht, aber offensichtlich hat es für den Saal gereicht.«

hda/dpa