Italiens Agrarminister Francesco Lollobrigida hat in der belgischen Hauptstadt Brüssel mehrere Gläser mit einer Pastasoße entdeckt, die zwar italienisch daherkommen, aber aus seiner Sicht keine echten italienischen Produkte sind. Kurz darauf forderte der Politiker, der Giorgia Melonis rechtspopulistischer Partei Fratelli d’Italia angehört, die sofortige Prüfung dieser Produkte.
Agrarminister Lollobrigida
Foto: Remo Casilli / REUTERSLollobrigidas Äußerungen sind in Italien umstritten. Einerseits kämpft die Regierung in Rom seit Jahren gegen »Fake-Italian«-Produkte. Sie tragen italienische Namen oder Symbole, stammen aber nicht aus Italien. Der Agrarverband Coldiretti schätzt den Schaden, der der italienischen Volkswirtschaft dadurch entsteht, auf rund 120 Milliarden Euro pro Jahr. Kritik an solchen Produkten gibt es in Italien grundsätzlich in allen Parteien – auch in den eher linken.
Andererseits nutzen Parteien wie die Fratelli d’Italia das allgemein anerkannte Thema noch zusätzlich zur kulturell-identitären Dramatisierung. Auch die aktuelle Pastasoßen-Kritik könnte eher so geartet sein. Denn zumindest bisher hat außer Lollobrigida und Coldiretti noch niemand die beiden Lebensmittel ähnlich scharf kritisiert.
Lollobrigida stößt besonders eine »Carbonara«-Soße auf, die sogenannte »Italiaanse pancetta« enthält, einen luftgetrockneten Bauchspeck. In klassische Carbonara gehört jedoch traditionell Guanciale – gepökelte Schweinebacke. Auch eine Tomatensoße, die Zwiebeln aus Kalabrien enthält, kritisierte Lollobrigida.
Solche Waren stünden für »das Schlimmste«, was das Phänomen der italienisch klingenden Lebensmittel zu bieten habe, schrieb Lollobrigida. Es sei nicht hinnehmbar, dass solche Produkte ausgerechnet im Supermarkt des EU-Parlaments verkauft würden.
Die Soßen gehören laut der britischen Zeitung »Guardian « zur Eigenmarke der belgischen Supermarktkette Delhaize. Auf der Verpackung ist eine italienische Flagge zu sehen. Nach EU-Recht kann ein Produkt als irreführend gelten, wenn Aufmachung und Etikett ein anderes Herkunftsland nahelegen als das tatsächliche.
Laut dem TV-Sender Euronews geben die Soßen aber nicht vor, in Italien hergestellt zu sein. Sie enthalten jedoch einzelne Zutaten aus Italien. Delhaize hat sich bisher nicht zu dem Vorfall geäußert.
Lollobrigidas Social-Media-Kritik könnte laut »Guardian« noch einen weiteren Hintergrund haben. Italien hat bei der Unesco beantragt, die italienische Küche als immaterielles Kulturerbe anerkennen zu lassen. Die Antwort wird Anfang Dezember erwartet.
