Der Tod einer Hamburger Familie in Istanbul gibt seit Tagen Rätsel auf. Ermittler scheinen der finalen Klärung der Todesursache aber nun näherzukommen. Im Hotelzimmer der in Istanbul verstorbenen Familie ist laut einem Bericht das toxische Gas Phosphin entdeckt worden.
Der Stoff sei etwa in aus dem Zimmer entnommenen Wischproben festgestellt worden, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf einen Bericht der Rechtsmedizin. Auch in Handtüchern des Hotels habe man Phosphin entdeckt. Die endgültige Klärung der Todesursache stehe aber noch aus.
Was Aluminiumphosphid so gefährlich macht, lesen Sie hier.
Bei der Bekämpfung von Schädlingen wird häufig der Stoff Aluminiumphosphid eingesetzt. In Verbindung mit Wasser – Luftfeuchtigkeit genügt – entsteht das toxische Gas Phosphin. Das Gas schädigt die Körperzellen von Säugetieren und verhindert in größeren Konzentrationen den Sauerstofftransport im Blut. Phosphin kann bei Menschen unter anderem zu Reizhusten, Erbrechen, Leber- und Nierenfunktionsstörungen führen und beim Einatmen lebensbedrohlich sein.
Die vier Mitglieder einer Hamburger Familie waren Mitte November im Istanbul-Urlaub gestorben. Erste Auszüge des toxikologischen Gutachtens des Instituts der Forensischen Medizin in Istanbul lagen dem SPIEGEL vor , demnach könnte die Familie durch eine chemische Substanz vergiftet worden sein, der sie im Hotel ausgesetzt war. Berichte des türkischen Senders TRT bestätigen dies: Demnach stellte der Bericht fest, dass in dem Hotel, in dem die Familie untergebracht war, eine chemische Vergiftung aufgetreten sein könnte.
- Tod einer Familie in Istanbul: Was Aluminiumphosphid so gefährlich macht Von Martin Schlak
- Beisetzung von Hamburger Familie in der Türkei: »Ich rufe meinen süßen Sohn, er soll zu mir finden« Aus Bolvadin berichten Cathrin Schmiegel, Şebnem Arsu und Bradley Secker (Fotos)
- Tod in Istanbul: Verstorbene Hamburger Familie war offenbar einer Chemikalie im Hotel ausgesetzt Von Şebnem Arsu und Nadine Wolter, Istanbul und Hamburg
Eine zunächst im Raum stehende Lebensmittelvergiftung als Todesgrund wurde als weniger wahrscheinlich bezeichnet. Tests in den Einrichtungen, in denen die Familie gegessen hatte, hatten keine Auffälligkeiten aufgewiesen, so Anadolu.
