Es war fast halb vier am Morgen, als Israel am 13. Juni den Angriff gegen Iran startete. Gleich in den ersten Minuten des Zwölftagekriegs schlugen Raketen in Apartments und Häuser der Hauptstadt Teheran ein, darunter auch im sogenannten Professoren-Komplex. Das Ziel: Wissenschaftler, die am Atomprogramm der Theokratie tüftelten. Die Israelis sollen neun Männer fast zeitgleich gezielt getötet haben; später folgten noch mehr. Nun hat die »Washington Post« zusammen mit PBS »Frontline« neue Details zur »Operation Narnia« veröffentlicht .
Demnach hatten israelische Geheimdienste eine Liste von 100 Forschern erstellt, geordnet nach ihrer Bedeutung für das iranische Atomprojekt. Am Schluss stand eine Hitliste mit rund einem Dutzend Männern. Es folgten Dossiers über jeden, seine Arbeit, seine Bewegungsmuster, sein Zuhause. Die Israelis sind darin geübt.
In den vergangenen rund fünfzehn Jahren wurden iranische Atomwissenschaftler immer wieder Opfer gezielter Tötungen:
2010 wurde der Physiker Massud Ali-Mohammadi durch eine ferngezündete Bombe getötet.
Der Atomwissenschaftler Madschid Schahrijari starb im selben Jahr; er wurde Opfer einer Autobombe.
2011 wurde dann Dariusch Resai in Teheran erschossen, auch er war Physiker.
Und 2012 starb schließlich Mostafa Ahmadi-Roschan. Dem damaligen stellvertretenden Leiter der Handelsabteilung der Urananreicherungsanlage in Natans wurde wohl eine Autobombe zum Verhängnis.
2020 wurde dann Mohsen Fakhrizadeh getötet – mutmaßlich durch ein ferngesteuertes Maschinengewehr, das sein Auto auf einer Landstraße ins Visier nahm.
Im Juni dieses Jahres hat Israel dann schließlich das sogenannte Braintrust, das verbliebene Expertengremium, ausgeschaltet.
Zwölf Tage lang flogen Kampfjets und Drohnen Luftangriffe auf Iran, waren über hundert Agenten des Mossad am Boden im Einsatz. Ziele waren daneben auch ranghohe Militärangehörige sowie Atomanlagen. Iran reagierte mit massivem Raketen- und Drohnenbeschuss auf Israel. Menschenrechtsorganisationen berichteten anschließend von mehr als 1100 Todesopfern in Iran, darunter 436 Zivilisten. Israelischen Angaben zufolge wurden bei Irans Gegenangriff 28 Menschen getötet.
Wie die »Washington Post« weiter berichtet, wurde der israelische Angriff von einem Ablenkungsmanöver der Vereinigten Staaten begleitet. US-Präsident Donald Trump soll ein geheimes Angebot an die Ajatollahs in Teheran geschickt haben, das die Aufhebung aller Sanktionen beinhaltete. Im Gegenzug sollte Iran seine Atomanlagen abbauen und allen schiitischen Milizen im Nahen Osten die Unterstützung streichen. Es kam anders.
Die USA griffen schließlich an der Seite Israels in den Krieg ein und bombardierten die iranischen Atomanlagen Fordo, Natans und Isfahan. Nach zwölf Tagen Krieg trat am 24. Juni eine Waffenruhe zwischen Israel und Iran in Kraft.
