Israel kontrolliert künftig, je nach Berechnung, etwas mehr als die Hälfte des Gazastreifens. Das wird aus einer neuen eigenmächtigen Grenzdefinition deutlich, die Israels Generalstabschef Eyal Zamir verkündet hat. Zamir sagte nach Armeeangaben während eines Truppenbesuchs im nördlichen Gazastreifen, die sogenannte Gelbe Linie sei eine neue Grenze, eine vordere Verteidigungslinie für die israelischen Grenzgemeinden und zugleich eine Angriffslinie.
Israel werde nicht zulassen, dass sich die islamistische Hamas im Gazastreifen wieder etabliere. »Wir werden auf jeden Versuch, unsere Streitkräfte zu bedrohen, mit aller Härte reagieren«, sagte er.
Rückzugslinie als neue Grenze
Die israelische Armee hatte sich im Rahmen einer vereinbarten Waffenruhe mit der Hamas hinter die Gelbe Linie zurückgezogen. Sie ragt zwischen 1,5 und 6,5 Kilometer in den Küstenstreifen hinein. Vor der neuen Grenzziehung war der Gazastreifen rund 41 Kilometer lang sowie zwischen sechs und zwölf Kilometer breit – eine Fläche, die etwas kleiner ist als die Stadt Köln. Im Gazastreifen leben mehr als zwei Millionen Palästinenser.
Die Gelbe Linie erhielt ihren Namen, weil die israelische Armee die Rückzugslinie mit gelb markierten Betonelementen und Schildern kennzeichnet. Sie stellt damit auch eine neue Gebietsaufteilung im Gazastreifen dar.
Militärpräsenz im Süden Syriens
Auch an anderer Front behält sich Israel Einfluss vor – im Süden Syriens. Israel hoffe sehr, ein Abkommen zur Entmilitarisierung Südsyriens zu erreichen, wolle aber im Süden eine »Pufferzone« erhalten, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nach übereinstimmenden israelischen Medienberichten bei einem Treffen mit israelischen Botschaftern.
Zuvor hatte der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa am Samstag in Doha Israel vorgeworfen, Krisen in andere Länder zu exportieren und »Geister zu bekämpfen«, wie der US-Fernsehsender CNN berichtete. Sharaa bezog sich auf fortwährende Übergriffe und Luftangriffe israelischer Streitkräfte in Südsyrien. Sharaa forderte erneut, das Deeskalationsabkommen von 1974 wieder in Kraft zu setzen. Dieses Abkommen regelte die Trennung israelischer und syrischer Streitkräfte nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973.
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Nach dem Sturz des früheren Langzeitherrschers Baschar al-Assad hatte Israel Soldaten in die von der Uno kontrollierte Pufferzone zwischen den von Israel annektierten Golanhöhen und syrisch kontrolliertem Gebiet verlegt, darunter auch auf die syrische Seite des Bergs Hermon.
Laut Netanyahu ist die Präsenz der israelischen Armee in der Region notwendig, um die Sicherheit der israelischen Bevölkerung zu gewährleisten und Angriffe aus grenznahen Gebieten zu verhindern. Zudem wolle Israel die religiöse Minderheit der Drusen in Syrien schützen, die als Verbündete Israels gelten.
