Dass Israel auch im kommenden Jahr am Eurovision Song Contest (ESC) teilnehmen darf, sorgt auch politisch weiter für Debatten. Außenminister Johann Wadephul begrüßte die Zulassung Israels zum ESC 2026. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hatte am Donnerstag bei einer Sitzung in Genf auf eine Abstimmung verzichtet – damit ist der Weg frei für eine erneute Teilnahme der Israelis.
»Kultur sollte immer etwas Verbindendes haben und deswegen sollte auch dieses Forum genutzt werden und nicht Austragungsort politischer Differenzen sein«, sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seiner isländischen Kollegin Thorgerdur Katrín Gunnarsdóttir in Berlin. Solche Differenzen seien natürlich zulässig, sagte Wadephul, fügte aber hinzu, Israel gehöre traditionell zum ESC dazu.
Außenminister Johann Wadephul am Freitag in Berlin: »Etwas Verbindendes haben«
Foto: Tobias Schwarz / AFPDie Mehrheit der Mitgliedssender der Europäischen Rundfunkunion (EBU) hatte am Donnerstagabend nach monatelangem Streit einer Änderung der Abstimmungsregeln zugestimmt, was eine Teilnahme Israels ermöglicht. Mehrere Länder kündigten daraufhin den Boykott der Veranstaltung an.
Islands Regierung will prüfen
Gunnarsdóttir sprach von einer heiklen Frage, die die isländische Regierung in all ihren Aspekten prüfen werde. Ausdrücklich begrüßte sie zugleich den Waffenstillstand zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen und forderte eine Ausweitung der humanitären Hilfe für die Menschen dort.
Island will am kommenden Mittwoch über seine Teilnahme am ESC 2026 entscheiden. Neben Spanien hatten wegen Israels ESC-Teilnahme auch die Sender aus Irland, Slowenien und den Niederlanden den Boykott der Veranstaltung angekündigt. Länder wie Belgien, Schweden und Finnland erwägen ebenfalls einen Boykott.
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Die israelische ESC-Teilnahme hatte wegen des Gazakriegs bereits im vergangenen Jahr in Malmö zu öffentlichen Protesten geführt und Veranstalter, Teilnehmende und Fans gespalten. In diesem trat dann mit der israelischen Sängerin Yuval Raphael eine Überlebende des Massakers vom 7. Oktober 2023 in Basel an, erneut begleitet von Protesten.
