SpOn 06.01.2026
22:58 Uhr

Israel: Busfahrer fährt bei Protest in Menschenmenge – ultraorthodoxer Jugendlicher stirbt


Ein Protest ultraorthodoxer Juden gegen die Wehrpflicht in Israel endet tragisch: Ein Busfahrer ist in eine Menschenmenge gefahren. Ein 18-jähriger Demonstrant stirbt.

Israel: Busfahrer fährt bei Protest in Menschenmenge – ultraorthodoxer Jugendlicher stirbt

Eine Massenkundgebung ultraorthodoxer Juden gegen die Wehrpflicht ist am Dienstag in Jerusalem tödlich geendet. Laut israelischen Polizeiangaben hat ein Busfahrer mehrere Teilnehmer mit seinem Fahrzeug erfasst. Ein 18-Jähriger, der unter dem Bus eingeklemmt gewesen sei, sei noch am Unfallort für tot erklärt worden, meldete der Rettungsdienst Magen David Adom. Außerdem wurden mehrere Menschen verletzt.

Der Busfahrer wurde laut Polizei festgenommen. Weitere Angaben machte die Polizei zu dem Vorfall bisher nicht. Der israelische Nachrichtensender N12 teilte  ein Video auf der Plattform X, das den Moment zeigen soll, in dem der Jugendliche von dem Bus erfasst wird.

Laut der israelischen Zeitung »Haaretz» nahmen rund 15.000 Ultraorthodoxe an dem Protest teil. Israels Polizei teilte mit, dass einige von ihnen Polizisten mit Gegenständen beworfen und Mülltonnen angezündet hätten. Zudem hätten Randalierer auch Journalisten angegriffen, hieß es weiter.

Streng religiöse Männer waren in Israel jahrzehntelang von der Wehrpflicht befreit. Diese Ausnahmeregelung lief jedoch vor rund anderthalb Jahren aus. Der israelischen Regierung gelang es nicht, ein neues Gesetz zu verabschieden, um diesen Sonderstatus für die Ultraorthodoxen zu zementieren.

Streit über die Wehrpflicht gefährdet Netanyahus Koalition

Seitdem gibt es immer wieder große Proteste streng religiöser Juden gegen ihre Rekrutierung. Viele Ultraorthodoxe empfinden den Militärdienst als Bedrohung ihres frommen Lebensstils, unter anderem, weil Frauen und Männer gemeinsam dienen. Ein Redner habe auf der Demonstration die Wehrpflicht mit dem Holocaust verglichen, meldeten die »Times of Israel« sowie die israelische Nachrichtenseite »ynet«.

Die Armee hat dagegen auch wegen des langen Gazakrieges eindringlich vor einem drastischen Mangel an kampffähigen Soldaten gewarnt. Viele Israelis empfinden es zudem als ungerecht, dass ultraorthodoxe Juden vom Dienst an der Waffe und gefährlichen Kampfeinsätzen ausgenommen sind.

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Die Kundgebung in Jerusalem richtete sich auch gegen einen neuen Gesetzentwurf, der die Befreiung der Ultraorthodoxen regeln soll, der einigen von ihnen aber nicht weit genug geht. Der Streit über die Wehrpflicht für streng religiöse Männer gilt auch als Gefahr für den Fortbestand der rechtsreligiösen Koalition des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu.

mgr/dpa