David Zini ist erst seit Kurzem Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet. Kritiker halten den nationalreligiösen Ex-General und Vater von elf Kindern für eine Fehlbesetzung. Nun steht er vor einem heiklen Fall, wenngleich er nicht darin verwickelt ist: Ein Gericht hat seinen Bruder Bezalel am Donnerstag wegen des Schmuggels von Zigaretten in den Gazastreifen angeklagt; es geht um Zehntausende Dollar.
In Israel ist nicht der Auslandsgeheimdienst Mossad für die Überwachung der Palästinenser im Gazastreifen und im Westjordanland zuständig, sondern der Schin Bet.
Bezalel Zini ist einer von mehreren Angeklagten. Der Fall weitet sich Tag für Tag zu einem größeren Skandal aus. Dutzende Personen, darunter zahlreiche Reservisten, sind darin verwickelt. Ihnen wird vorgeworfen, persönlich vom Krieg zwischen Israel und der palästinensischen Terrororganisation Hamas profitiert und Güter nach Gaza geliefert zu haben, die der militanten Gruppe zugutekommen konnten.
Israel wirft der Hamas vor, einen Schwarzmarkt in Gaza zu betreiben, und kontrolliert die Einfuhr von Hilfsgütern in die Mittelmeerenklave streng.
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Obwohl für Teile Gazas im Sommer 2025 eine Hungersnot ausgerufen wurde, beschränkte das israelische Militär die Menge an Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern, die in das Gebiet gelangten. Während des gesamten Krieges wurde die Einfuhr von Zigaretten nach Gaza verboten, was zu einem sprunghaften Anstieg der Tabakpreise führte. Auf dem Höhepunkt des Krieges konnte eine einzelne Zigarette über 80 US-Dollar kosten.
Ein Vorwurf: »Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten«
Laut Anklageschrift und einer Erklärung der Staatsanwaltschaft soll Bezalel Zini im Rahmen des Schmuggels rund 365.000 Schekel (etwa 117.000 US-Dollar) unterschlagen haben. Mindestens 13 weitere Personen wurden ebenfalls angeklagt. Ihnen wird »Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten, Finanzierung terroristischer Aktivitäten, Betrug und Bestechung« vorgeworfen.
Laut Anklageschrift war Zini zum Zeitpunkt des Schmuggels als Reservist für die Logistik des sogenannten »Uriah«-Teams zuständig, einer Einheit, die Gebäude in Gaza zerstört. Diese Position ermöglichte ihm die Einfuhr von Fahrzeugen nach Gaza.
Zini wird beschuldigt, etwa 14 Kartons Zigaretten über den Grenzübergang Sufa zwischen dem südlichen Gazastreifen und Israel geschmuggelt zu haben. Dieser Grenzübergang war während des gesamten Krieges für humanitäre Hilfslieferungen gesperrt. Der Schmuggel begann im Sommer 2025. Wie lange er andauerte, ist laut Anklage unklar.
