SpOn 19.02.2026
21:22 Uhr

Israel: Bericht über Misshandlung von palästinensischen Journalisten in Haft


Eine Nichtregierungsorganisation bezichtigt Israel, schwerste Gewalttaten an inhaftierten palästinensischen Journalisten verübt zu haben. Die Gefängnisbehörde und die Armee des Landes weisen die Vorwürfe zurück.

Israel: Bericht über Misshandlung von palästinensischen Journalisten in Haft

In israelischen Gefängnissen sind laut einem Bericht  58 palästinensische Journalisten geschlagen und ausgehungert worden, auch sexuelle Gewalt soll an ihnen verübt worden sein. Die Nichtregierungsorganisation (NGO) »Committee to Protect Journalists« (CPJ) hat für die Untersuchung mit fast 60 Journalisten gesprochen, die seit dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 inhaftiert sind. Zudem liegen dem CPJ laut eigenen Angaben Fotos und medizinische Unterlagen vor.

Die Journalisten hätten die Geschehnisse als »Folter, Misshandlung oder andere Formen von Gewalt« beschrieben. Obwohl die Bedingungen in den Gefängnissen unterschiedlich waren, seien die von den Befragten geschilderten Methoden »auffallend einheitlich«. Demnach berichteten die Journalisten von »körperlichen Übergriffen, erzwungenen Stresspositionen, Entzug von Sinneseindrücken, sexueller Gewalt und medizinischer Vernachlässigung.«

Laut Bericht durchschnittlich 23,5 Kilogramm Gewichtsverlust

Der Bericht enthält detaillierte Beschreibungen einzelner Journalisten über die mutmaßlichen Taten. Sie schildern unter anderem, bei ihrer Ankunft im Gefängnis von Soldaten mit Schlagstöcken und Stangen geschlagen worden zu sein. Elf Journalisten erzählten, durch Aufhängen an hinter dem Rücken gefesselten Armen gefoltert worden zu sein. Die Wunden ihrer erlittenen Verletzungen seien in mehreren Fällen nicht behandelt worden. Insgesamt 55 Journalisten berichteten von extremem Hunger oder Unterernährung. Laut CPJ habe ihr durchschnittlicher Gewichtsverlust in der Haft bei 23,5 Kilogramm gelegen. Auch sexuelle Gewalt kommt laut CPJ wiederholt in den Aussagen vor. Zwei palästinensische Journalisten gaben an, vergewaltigt worden zu sein.

Die israelische Gefängnisbehörde und die israelischen Streitkräfte (IDF) wiesen die Vorwürfe des CPJ zurück, wie die britische Zeitung »The Guardian « berichtet. Ein Sprecher der israelischen Gefängnisbehörde sagte demnach, man weise die Vorwürfe »kategorisch« zurück und verwies darauf, dass jede konkrete Beschwerde, die über die offiziellen Kanäle eingereicht werd, von den zuständigen Behörden gemäß den festgelegten Verfahren geprüft werde. Die IDF schrieben laut »Guardian« in einem Statement, dass sie die »Vorwürfe bezüglich systematischer Misshandlung von Häftlingen, einschließlich Vorwürfen sexuellen Missbrauchs« vollständig zurückweisen.

Mehr zum Thema

In der Vergangenheit gab es wiederholt Berichte über Folter in israelischen Gefängnissen. Im August 2024 veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation B’Tselem Zeugenaussagen von Insassen  aus dem Militärgefängnis Sde Teiman. In dem Bericht werden systematische und institutionalisierte Menschenrechtsverletzungen durch israelische Sicherheitskräfte beschrieben.

In einem Bericht  mehrerer israelischer Menschenrechtsorganisationen für den Uno-Ausschuss gegen Folter  aus dem Jahr 2025 wird Folter als ein »bewusstes und weitverbreitetes Instrument der staatlichen Politik« beschrieben. Sie käme während des gesamten Haftprozesses zum Einsatz, von der Festnahme über die Vernehmung bis hin zur Inhaftierung. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte Israel vorgehalten, palästinensische Gefangene aus dem Gazastreifen zu misshandeln und zu foltern.

fwu