SpOn 11.01.2026
08:24 Uhr

Israel: Aufregung um manipulierte Fotos von Sara Netanyahu auf Social Media


Dass Prominente auf Social Media bearbeitete Bilder hochladen, ist nichts Neues. Was aber, wenn ein offizieller Regierungskanal retuschierte Fotos postet? Darüber wird in Israel diskutiert. Anlass: die Frau des Langzeitpremiers.

Israel: Aufregung um manipulierte Fotos von Sara Netanyahu auf Social Media

Als Politikergattin oder -gatte steht man bei vielen Terminen genauso im Rampenlicht wie der oder die Angeheiratete. Sara Netanyahu, 67, möchte sich dabei optisch so perfekt wie möglich präsentieren – zur Not mit technischer Hilfe: Wie Recherchen zeigen, werden offizielle Fotos von ihr in der Regel großflächig bearbeitet.

So wurden laut der Nachrichtenagentur AP etwa Bilder von Sara Netanyahu bei einem Termin im Dezember umfangreich manipuliert und auf den offiziellen Social-Media-Kanälen des Premierministers hochgeladen.

Bearbeitete Bilder von Sara Netanyahu auf dem Facebook-Account des israelischen Premiers

Bearbeitete Bilder von Sara Netanyahu auf dem Facebook-Account des israelischen Premiers

Foto: Oded Balilty / AP

Auf den Fotos ist das Ehepaar Netanyahu mit dem US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, seiner Frau Janet und einer Gruppe israelischer Soldaten beim Anzünden der Chanukka-Kerzen an der Klagemauer zu sehen. Sara Netanyahu wirkt dabei, vor allem im Vergleich mit Janet Huckabee, extrem »frisch«: Ihre Haut ist porenfrei, die Augen sind übertrieben betont, die Haare perfekt frisiert – ein Look, der wohl das Ergebnis starker Bildbearbeitung ist.

Die Fotos wurden unter anderem auf den Facebook-, Instagram- und X-Accounts des Premierministers verbreitet.

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Sara Netanyahu scheint ein Fan von Bildbearbeitung zu sein

Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Wie die israelische Zeitung »Haaretz«  berichtet, ließ das Büro des Premiers im vergangenen Jahr »zahlreiche« veränderte Fotos verbreiten, »die Sara Netanyahu in einem positiven Licht darstellen sollen«. Als das bekannt wurde, unternahm die Regierung einen beispiellosen Schritt und nennt seither bei Presseveröffentlichungen Sara Netanyahu selbst als Urheberin der Fotos, auf denen sie retuschiert zu sehen ist.

Die 67-Jährige verwendet seit Langem Bildbearbeitungssoftware. Ihr Social-Media-Account ist voll von Bildern, auf denen ihr Gesicht stark retuschiert wirkt. Das fällt zum Beispiel auf beim Vergleich der Bilder vom Besuch von US-Außenminister Marco Rubio und seiner Frau Jeanette in Israel.

Dieses Bild des Besuchs im vergangenen September wurde von einem Fotografen der Nachrichtenagentur AFP gemacht

Dieses Bild des Besuchs im vergangenen September wurde von einem Fotografen der Nachrichtenagentur AFP gemacht

Foto: Nathan Howard / AFP

Sara Netanyahu lud auf Instagram diese Fotos hoch – interessant ist vor allem das letzte Bild der Galerie:

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Ebenso lässt sich die Bildbearbeitung nachvollziehen, wenn man Fotos vom Besuch der Netanyahus in Ungarn im vergangenen April vergleicht: Vom Eintreffen des Paars in Budapest existieren sowohl Fotos der anwesenden Pressefotografen…

Foto: Sztaniszlav Horvath / AFP
Foto: Sztaniszlav Horvath / AFP

...als auch Bilder auf Sara Netanyahus Instagram-Account:

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Verzerrte Realität

Kritiker bemängeln nicht, dass die Verwendung von Bildbearbeitungssoftware an sich ein Problem sei. Auf den Social-Media-Konten von Prominenten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens werden oft entsprechend manipulierte Fotos hochgeladen. Vielmehr kritisieren sie die Verbreitung dieser Bilder in offiziellen Regierungsmitteilungen und auf offiziellen Regierungsaccounts. Das verzerre die Realität, verstoße gegen ethische Richtlinien und gefährde die offizielle Archivierung und Dokumentation.

»Ist es verwerflich? Nein. Ist es problematisch? Ja. Es geht um mehr als nur darum, dass sie ihr Gesicht mit Photoshop bearbeitet hat, um jünger auszusehen. Es geht um Vertrauen. Warum sollte ich irgendeinem offiziellen Foto dieser Regierung trauen?«, sagte Shabi Gatenio, ein erfahrener politischer Journalist, zu AP. Das Pressebüro der israelischen Regierung beeilte sich jedoch, den Eindruck der Unglaubwürdigkeit zu korrigieren: Gegenüber AP teilte es mit, Bilder des Premierministers würden niemals manipuliert: »Kein Photoshop, keine Korrekturen, keine Farbgebung. Nichts.«

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Gatenio sieht noch ein weiteres Problem: »Alle Bilder in den Archiven Israels sind bis heute authentische Aufnahmen der Realität, so wie sie seit der Staatsgründung von Fotografen eingefangen wurden.« Bei manipulierten Bildern bestehe dagegen eine große Gefahr: »Wenn diese Bilder in die Datenbank gelangen, werden sie diese für immer mit einer virtuellen Realität infizieren, die nie existiert hat.« Auch dem trat das Pressebüro entgegen: Es würde keine retuschierten Fotos in das offizielle Archiv hochladen, teilte es AP gegenüber mit.

Die persönliche Sprecherin von Sara Netanyahu reagierte nicht auf eine Anfrage von AP.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir Sara Netanyahu unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AP als »First Lady« bezeichnet. Protokollarisch trifft dies aber nicht auf sie, sondern auf Michal Herzog zu, die Frau des israelischen Präsidenten Isaac Herzog. Sara Netanyahu ist die Frau des Premierministers. Wir haben die Formulierung korrigiert.

mkh/AP