Die israelischen Streitkräfte suchen gezielt nach den sterblichen Überresten der letzten im Gazastreifen verbliebenen israelischen Geisel. Im Norden des Küstengebiets läuft derzeit eine Operation zur Bergung der Leiche von Ran Gvili. Dies berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur dpa unter Verweis auf das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und das israelische Militär.
Zuvor hatte die Hamas erklärt, sie habe den internationalen Vermittlern im Gazakrieg sämtliche Informationen übermittelt, die für die Auffindung der Leiche notwendig sind. Abu Obaida, Sprecher der Qassam-Brigaden, des militärischen Arms der islamistischen Organisation, sagte, die israelischen Streitkräfte suchten nun an den in diesen Angaben genannten Orten.
Suchaktionen nach Angaben der Hamas
Augenzeugen berichteten von Suchaktionen israelischer Truppen im Stadtteil Al-Saitun in Gaza-Stadt. Demnach wurde Leuchtmunition eingesetzt und es waren Militärfahrzeuge im Gebiet unterwegs.
Laut der israelischen Armee konzentriert sich die Suche unter anderem auf einen Friedhof entlang der sogenannten gelben Linie, welche den Gazastreifen in einen von Israel kontrollierten und einen nicht kontrollierten Bereich teilt.
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Rückführung als Voraussetzung für den Friedensplan
Gvili war zum Zeitpunkt des Hamas-Angriffs am 7. Oktober 2023 24 Jahre alt und wurde dabei getötet. Israel macht die Rückführung seiner Leiche zur Voraussetzung für den Beginn der zweiten Phase des von den USA vermittelten Friedensplans für Gaza.
Zu diesem nächsten Schritt gehört auch die geplante Öffnung des Grenzübergangs Rafah für den Personenverkehr. Der Übergang an der Grenze zu Ägypten gilt als die wichtigste Verbindung des Gazastreifens zur Außenwelt. Ali Schaath, der Vorsitzende der neuen palästinensischen Expertenregierung für Gaza, hatte die Öffnung des Übergangs für Donnerstag angekündigt.
Israel lehnt diesen Schritt bislang ab. Solange die sterblichen Überreste Gvilis nicht zurückgeführt seien, werde es keine Zustimmung geben, heißt es aus Regierungskreisen.
