Island hat zu Jahresbeginn 2026 eine neue Maut für alle Fahrzeuge eingeführt, die nach zurückgelegter Strecke berechnet wird. Autohalter etwa müssen für jeden gefahrenen Kilometer umgerechnet wenige Cent zahlen, für schwerere Fahrzeuge wird es teurer. Abgerechnet wird jeden Monat nach Zählerstand oder einer davon abgeleiteten Schätzung. Doch so richtig scheint das neue System noch nicht zu funktionieren. Jedenfalls staunte Busfahrer Hlynur Bragason aus Egilsstaðir im Osten der Inselrepublik nicht schlecht, als er die erste Rechnung erhielt, berichtet der öffentlich-rechtliche Rundfunk Ríkisútvarpið .
Der selbstständige Busunternehmer sei mit einem seiner Busse im Januar 999.691 Kilometer gefahren und müsse dafür rund 20 Millionen isländische Kronen bezahlen, hieß es auf der Rechnung. Das sind umgerechnet 138.121 Euro. Fällig sei diese erste Monatsrate bis zum 16. Februar. Zuerst habe er geglaubt, er habe sich verlesen, sagte Bragason. Dann habe er seine Brille aufgesetzt und gemerkt, dass die Zahlen dort genau so standen.
Bragason sagte dem Sender, er habe im Januar viel zu tun gehabt, könne sich aber nicht daran erinnern, mit seinem Bus 25 Mal um den Globus gefahren zu sein. So viele Fahrten von der Länge des Äquators wären nämlich nötig gewesen, um eine Million Kilometer zu sammeln.
»Amüsant, aber bitterkomisch«
Und nicht nur das: Der Januar hat 31 Tage, also 744 Stunden. Wäre Bragason in der Zeit tatsächlich so weit gefahren, hätte er dafür ohne Pause etwa 1343 Kilometer pro Stunde fahren müssen, also schneller als der Schall (der bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und trockener Luft in Meereshöhe rund 1200 Kilometer pro Stunde weit kommt).
Bragason zufolge habe das betroffene Fahrzeug in Wahrheit nur einen Tachostand von 440.000 Kilometern, hieß es in dem Bericht. »Ich finde das etwas amüsant, aber auch bitterkomisch«, meinte der Busfahrer. Denn die Rechnung zeige, dass das neue System für die Maut schlicht nicht funktioniere. Zahlreiche Menschen in Island teilten die kuriose Geschichte im Netz.
Es sei vielleicht zu erwarten gewesen, dass die Zahlen im ersten Monat der neuen Steuer seltsam sein würden, schreibt Ríkisútvarpið, schließlich seien die Schätzungen auf Grundlage der letzten Inspektionen erfolgt. Die kommenden Rechnungen sollten sich in Zukunft der Realität anpassen. Grob falsche Schätzungen oder Fehler solle man der Steuerbehörde melden, die sie dann korrigiert.
Modell auch für Deutschland?
Mit der neuen Gebühr setzt Island erstmals ein Modell um, das Experten auch für Deutschland immer wieder ins Spiel bringen: eine fahrleistungsabhängige Maut für alle Kraftfahrzeuge. Die Idee dahinter: Wie viel man zahlt, soll davon abhängen, wie stark man die Straßen und die Umwelt belastet. Dies gilt aber als kompliziert umzusetzen, für die deutsche Lkw-Maut wurde ein aufwendiges elektronisches Erfassungssystem errichtet. Die Niederlande hatten Pläne für eine derartige Pkw-Maut, haben sie inzwischen aber aufgegeben. Island hingegen legte 2024 los. Anfangs mussten nur die Besitzer von Elektroautos zahlen, um die fehlenden Einnahmen aus der Energiesteuer für Benzin und Diesel zu ersetzen.
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Touristen können beruhigt sein: Für Leihwagen gilt eine Pauschale von umgerechnet 9,60 Euro pro Tag. Wer weniger Kilometer fährt als im Vertrag angegeben, muss von der Mietwagenfirma den Mehrbetrag erstattet bekommen.

