SpOn 11.02.2026
12:49 Uhr

Irland zahlt Künstlerinnen und Künstlern 325 Euro Grundeinkommen pro Woche


Soll ein Staat Kunstschaffenden das Leben finanzieren? Irland hat sich nach drei Testjahren dafür entschieden: Ein Grundeinkommen für 2000 Kreative wird verstetigt, der Kulturminister rühmt sich einer Pioniertat.

Irland zahlt Künstlerinnen und Künstlern 325 Euro Grundeinkommen pro Woche

Irland hat am Dienstag ein dauerhaftes Grundeinkommensmodell für den Kulturbereich eingeführt. 2000 Kreativschaffenden sagt der Staat zu, 325 Euro pro Woche zu zahlen. Vorausgegangen war ein dreijähriges Pilotprojekt: Irland startete es im Jahr 2022, um Künstlerinnen und Künstlern bei der Erholung von den Coronalockdowns zu helfen. In San Francisco und New York wurden zwar ähnliche Modellversuche durchgeführt, doch Irlands Kulturminister Patrick O’Donovan erklärte, dass es sich bei dem Programm um das weltweit erste dauerhafte seiner Art handle.

Der Schritt werde »Irland von anderen Ländern abheben, was die Wertschätzung von Kultur und Kreativität angeht«, sagte O’Donovan bei der Vorstellung des Programms im James-Joyce-Raum des Bewley’s Café, einer Dubliner Kulturinstitution, in der regelmäßig zur Mittagszeit Theaterstücke aufgeführt werden. »Dies ist ein gewaltiger Schritt nach vorn, den andere Länder nicht machen«, so O’Donovan.

Irischer Kulturminister O’Donovan (l.): »Gewaltiger Schritt nach vorn«

Irischer Kulturminister O’Donovan (l.): »Gewaltiger Schritt nach vorn«

Foto: Grainne Ni Aodha / empics / picture alliance

Die zufällig ausgewählten Bewerberinnen und Bewerber werden die Zahlungen drei Jahre lang erhalten, danach sind sie für den nächsten Dreijahreszyklus nicht mehr berechtigt. Kulturminister O’Donovan sagte, man wolle die Zahl der Empfänger im Laufe der Zeit erhöhen. Auf die 2000 Plätze im Pilotprogramm bewarben sich mehr als 8000 Personen.

Existenzängste verringert

Ein Evaluationsbericht über die Testphase hob hervor, dass das Grundeinkommen die Existenzängste der Kunstschaffenden verringert und ihre Abhängigkeit von Nebeneinkünften reduziert habe. Zudem seien laut einer von der Regierung in Auftrag gegebenen Kosten-Nutzen-Analyse mehr als die Nettokosten des Projekts von 72 Millionen Euro wieder hereingeholt worden – durch gestiegene Ausgaben im Kulturbereich, Produktivitätsgewinne und eine geringere Inanspruchnahme anderer Sozialleistungen.

»Das Programm war ein Praxistest dafür, was passiert, wenn man Menschen Stabilität statt Unsicherheit gibt«, sagte der Komponist und Designer Peter Power von der Lobbygruppe National Campaign for the Arts. »Kunstschaffende im Programm verbrachten mehr Zeit mit kreativem Schaffen und weniger Zeit in fachfremden Jobs, nur um zu überleben, und viele konnten sich schließlich allein durch ihre Arbeit besser selbst tragen.«

feb/Reuters