SpOn 06.03.2026
11:23 Uhr

Irankrieg: So gefährlich sind Öltransporte in der Konfliktregion


Deutschland benötigt große Mengen Öl und Gas, doch der Transport der Rohstoffe ist durch den Irankrieg so riskant wie nie. Dabei gibt es einen Ausweg.

Irankrieg: So gefährlich sind Öltransporte in der Konfliktregion

Auf beiden Seiten der Straße von Hormus stauen sich Hunderte Schiffe. Die Meerenge trennt Iran im Norden von der Musandam-Halbinsel im Süden, ist an ihrer engsten Stelle nur rund 50 Kilometer breit und die einzige Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean.

Unter den wartenden Schiffen befinden sich Flüssigerdgas- und Öltanker. Sie werden derzeit fast täglich von Raketen oder Drohnenattacken beschossen. Ihre brennbare Ladung macht sie zu lohnenden Zielen für das iranische Regime. Es kann hier mit wenig Mitteln großen Schaden anrichten.

Im Konflikt am Persischen Golf ist die Meerenge zum wichtigsten Druckmittel des iranischen Regimes geworden. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssigerdgases passiert diese Engstelle – dazu unzählige Frachtschiffe mit Industriegütern. Die Blockade treibt die Energie- und Lebensmittelpreise in Abnehmerländern wie Deutschland in die Höhe.

Tankerstau vor der Straße von Hormus am 3. März: Leichte Ziele für das iranische Regime

Tankerstau vor der Straße von Hormus am 3. März: Leichte Ziele für das iranische Regime

Foto: Amr Alfiky / REUTERS

Die Lage spitzt sich immer weiter zu. Ein hochrangiger Kommandeur der iranischen Revolutionswächter warnte am Montag, Iran werde »jedes Schiff verbrennen«, das versucht, die Straße von Hormus zu passieren.

Umweltschützer warnen: Wenn Tanker weiterhin zu Zielscheiben werden, könnten Ölunfälle und giftige Chemikalien ins Meer gelangen. Eine Ölpest größeren Ausmaßes könnte nur noch eine Frage der Zeit sein.

Brennende Öltanker und Raffinieren

Am Donnerstagmorgen kam es zu einer Explosion an einem US-Öltanker vor der irakisch-kuwaitischen Küste, wie die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt berichtete. Öl sei aus dem Ladetank ins Meer gelaufen, meldeten Medienberichte zunächst – ausgerechnet unweit der Mündung des Flusses Schatt al-Arab, der an ein schützenswertes Feuchtgebiet grenzt.

Wenig später kam die Entwarnung: Das Schiff war ohne Ladung unterwegs und sollte eigentlich in einem irakischen Hafen 80.000 Tonnen Treibstoff aufnehmen. Dass der Tanker noch nicht beladen war, war pures Glück.

DER SPIEGEL

Seit einer Woche häufen sich solche Beinahe-Unfälle mit Öltankern im Persischen Golf, allein bis Donnerstagnachmittag zählten Beobachter mindestens neun.

Vor der Küste Omans wurde der 273 Meter lange, mit Rohöl beladene Tanker »MKD Vyom« mit einer Marinedrohne beschossen. Im Hafen von Bahrain brannte der unter US-Flagge fahrende Öltanker »Stena Imperative« nach zwei Attacken; ebenso der als iranisches Schattenflottenschiff geltende Tanker »Skylight«; Feuer fing zudem die »Hercules Star« nordwestlich von Mina Saqr in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Mehrere Menschen kamen bei den Angriffen ums Leben.

In der Schusslinie stehen auch Raffinieren und Ölpipelines. Am Montag brach nach iranischen Drohnenattacken in der saudischen Ölraffinerie Ras Tanura ein Feuer aus. Teile der Anlage seien vorsorglich abgeschaltet worden, teilte das saudische Energieministerium mit. Am selben Tag griffen iranische Drohnen ein Kraftwerk und eine Energieanlage in Katar an, wie das katarische Verteidigungsministerium mitteilte. Kurz darauf kündigte Qatar Energy an, die Produktion landesweit zu stoppen.

Die Folge: Die Preise am Spotmarkt, dem Handelsplatz für kurzfristige, sofortige Geschäfte, verzehnfachten sich innerhalb kurzer Zeit. Mehr zu den steigenden Gaspreisen lesen Sie hier .

Umweltverschmutzung auch ohne Ölpest enorm hoch

Halten die Angriffe in diesem Tempo an, drohen auch unabhängig von einer Ölpest durch einen beladenen Tanker massive Umweltschäden. Das Feuer an der saudischen Ölraffinerie Ras Tanura produzierte eine riesige Rauchwolke. Dabei gelangten vermutlich große Mengen Feinstaub, Stickoxide und giftige Verbindungen in die Luft, wie die Umweltorganisation Conflict and Environment Observatory (CEOBS) berichtet.

Die beschädigten Öltanker setzen auch ohne Ladung Schadstoffe frei, neben Ölresten und Treibstoff können Schwermetalle, Dioxine und sogenannte Ewigkeitschemikalien ins Meer gelangen, die dort für Jahrzehnte bestehen bleiben. Wie groß die Umweltschäden tatsächlich sind und welche Gefahren den Anwohnern drohen, lässt sich laut CEOBS in der Region kaum überprüfen.

DER SPIEGEL

Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt bereits seit Jahren vor geopolitischen Risiken am Persischen Golf. Doch die Meerenge ist nicht das einzige Nadelöhr. Auch andere Routen von Öl- und Flüssigerdgastankern führen durch einige der geopolitisch instabilsten Regionen. Ein Grund ist, dass viele Förderländer keine Demokratien und oftmals in regionale Konflikte verwickelt sind.

Brennender LNG-Tanker »Arctic Metagaz«: Unabschätzbare Umweltfolgen

Brennender LNG-Tanker »Arctic Metagaz«: Unabschätzbare Umweltfolgen

Foto: sternenko / X

Riskante Handelsrouten führen laut IEA etwa durch die 40 Kilometer breite Straße von Malakka in Südostasien, durch die 80 Prozent der chinesischen Öllieferungen transportiert werden. Auch der für die USA so wichtige Panamakanal ist an seiner engsten Stelle nur rund 90 Meter breit und durch die nicht einmal 30 Kilometer breite Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Jemen und Eritrea werden 40 Prozent des Handels zwischen Asien und Europa abgewickelt. Vom Jemen aus greift die Huthi-Miliz seit Monaten Handelsschiffe und Öltanker an.

Hinzu kommen die Risiken durch die sogenannte russische Schattenflotte. Damit gemeint sind Hunderte schrottreife Tanker, die unter Umgehung westlicher Sanktionen russisches Öl durch die Weltmeere transportieren, oft ohne ausreichende Versicherung, mit abgeschalteten Transpondern und fragwürdiger Wartung. Von jedem dieser Schiffe geht eine potenzielle Umweltkatastrophe aus.

Auch der Ukrainekrieg wirkt sich auf die Weltmeere aus: Vor wenigen Tagen brannte im Mittelmeer ein 277 Meter langer Flüssigerdgastanker, der offenbar auf dem Weg von Russland nach China war. Die »Arctic Metagaz« ist derzeit offiziell in Russland registriert. Zuvor könnte sie Teil der russischen Schattenflotte gewesen sein. Attackiert wurde sie laut Beobachtern vermutlich von einer ukrainischen Seedrohne. »Auf dem Schiff war etwa so viel Energie gespeichert wie in fast 50 Hiroshima-Atombomben«, schreibt mein Kollege Christoph Seidler in seinem lesenswerten Bericht über den Vorfall . Flüssigerdgas sei zwar keine Bombe. »Es brennt, aber explodiert nicht wie Sprengstoff.« Dennoch ist fraglich, was mit dem beschädigten Schiff nun geschehen ist. Unbestätigten Angaben zufolge ist es vor der Küste Libyens gesunken. Auch dort sind die ökologischen Folgen nicht bekannt. Erdgas besteht überwiegend aus Methan – einem sehr wirksamen Treibhausgas, das die Erwärmung des Klimas beschleunigt.

Das alles zeigt: Die Abhängigkeit von Öl und Erdgas ist längst nicht nur eine Belastung für das Klima, sondern auch ein Sicherheitsrisiko. Schon die Fahrten der Tanker rund um den Erdball sind in diesen politisch angespannten Zeiten ein Argument mehr, von solchen Lieferungen loszukommen. Sie sind die Achillesferse westlicher Energieversorgung. Havarien solcher schwimmenden Riesen würden Ökosysteme verseuchen, brächten Besatzungen und Anwohner in Gefahr – und trieben die Verbraucherpreise noch weiter nach oben.

Weniger verwundbar würde die EU durch den schnellen Ausbau von Wind- und Solarenergie, durch mehr Elektroautos und Wärmepumpen. Es liegt jetzt an den 27 Regierungschefs, die richtigen Lehren aus der aktuellen Krise zu ziehen.

Brennender Öltanker »Skylight«: Gefahr einer Ölpest steigt

Brennender Öltanker »Skylight«: Gefahr einer Ölpest steigt

Foto: AFP

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