Die Bundeswehr reduziert nach SPIEGEL-Informationen die deutschen Kräfte im Nordirak deutlich. Damit reagiert das Operative Führungskommando auf eine drohende Eskalation im angrenzenden Iran.
Nicht missionskritisches Personal wurde vorsorglich aus dem Irak verlegt. Die Sicherheitsmaßnahme wird in einer Information für den Bundestag explizit mit den »weiter zunehmenden Spannungen zwischen USA und Iran« begründet. Bereits Ende Januar war die Gefahrenstufe für den Nordirak wegen »der zunehmenden Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung mit Iran« verschärft worden. Wegen der gemeinsamen Nutzung von Stützpunkten mit US-Streitkräften bestehe eine »mittelbare Gefährdung« für die Bundeswehr, so ein aktueller Lagebericht.
US-Präsident Donald Trump hatte der iranischen Führung in den vergangenen Wochen mit Angriffen gedroht, nachdem der Sicherheitsapparat brutal gegen Massenproteste vorgegangen war . Washington verstärkte sogar die US-Militärpräsenz in der Region. Danach hatte sich die Situation zunächst beruhigt, Trump ließ verlauten, beide Länder wollen wieder miteinander sprechen. An diesem Freitag sollte es sogar ein Treffen geben.
Streit über Ort und Themen
Deswegen überrascht der Zeitpunkt der Bundeswehr-Entscheidung. Nun berichtet aber das US-Nachrichtenportal Axios, dass die geplanten Gespräche doch noch scheitern könnten. Hintergrund soll ein Streit über Ort und Themen sein. Ein ranghoher iranischer Vertreter sagte Reuters, das Beharren der USA, auch über »nicht atomare Themen« zu verhandeln, könne die Gespräche gefährden. Die Regierung in Teheran sei »grundsätzlich bereit zu Gesprächen mit den USA«, wenn es nur um Fragen des Atomprogramms gehe.
Zuvor hatte die iranische Nachrichtenagentur Isna gemeldet, das Treffen zwischen Vertretern der USA und Irans solle im Oman stattfinden und nicht wie ursprünglich geplant in Istanbul. Der Ort der Gespräche sei auf Wunsch Irans verlegt worden, sagte zudem ein Vertreter eines der Staaten in der Region. Eine offizielle Bestätigung dafür aus Washington blieb zunächst aus.
Die Bundeswehr unterstützt im Irak den Aufbau der lokalen Streitkräfte. Schwerpunkt ist die Kurden-Metropole Erbil, in der Hauptstadt Bagdad sind nur noch einzelne Soldaten als Berater eingesetzt. In der Vergangenheit hatte Iran in Spannungssituationen mehrmals versucht, amerikanische Stellungen im Nordirak anzugreifen. Dabei geriet auch die Bundeswehr ins Visier, da sie wie die Amerikaner nahe dem Flughafen von Erbil stationiert ist.
Zuletzt hatte die Bundeswehr für die Mission im Irak und Jordanien um die 300 Soldaten und Soldatinnen im Einsatz. Der größte Teil davon ist allerdings in Jordanien stationiert, wo die Luftwaffe in Al-Asraq seit Jahren ein Feldlager betreibt und die internationale Anti-Terror-Koalition unter anderem mit Tankflugzeugen unterstützt. Eine Einordnung, ob ein erneuter Krieg im Nahen Osten noch zu verhindern ist, lesen Sie hier .
