SpOn 05.03.2026
18:08 Uhr

Iran-Krieg: Wolodymyr Selenskyj fürchtet Waffenknappheit und bietet für Nahost Hilfe an


Im Krieg gegen Iran verschießen die USA und ihre Partner massiv Flugabwehr. Der ukrainische Präsident Selenskyj sorgt sich vor möglichen Folgen für sein Land, gleichzeitig will er bei der Abwehr iranischer Drohnen unterstützen.

Iran-Krieg: Wolodymyr Selenskyj fürchtet Waffenknappheit und bietet für Nahost Hilfe an

Angesichts des Kriegs der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran sieht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj das Risiko einer höheren Verwundbarkeit seines Landes durch russische Angriffe. In einem Interview mit einem Podcast-Format der britischen Zeitung »The Independent « sagte Selenskyj, die Ukraine könne nun mit einem Mangel an Flugabwehrraketen konfrontiert sein, da die USA und deren Verbündete sich damit gegen iranische Angriffe schützten.

Dies sei sehr verständlich, fügte Selenskyj den Angaben der Zeitung zufolge an. »Unsere Erwartung ist natürlich, dass die Luftverteidigung (für die Ukraine) abnehmen könnte.« Die meisten hochmodernen Flugabwehrsysteme würden in den USA hergestellt, gab Selenskyj zu bedenken. »Natürlich kontrollieren sie deren Anzahl und werden versuchen, das Paket solcher Raketen zu behalten.«

Man stehe mit Partnern der Ukraine außerhalb der USA in Kontakt, habe aber bislang keine Rückmeldung erhalten, wie man ein bevorstehendes Defizit beheben könnte.

Gespräche mit Nahostländern über Drohnenabwehr

Ungeachtet dessen laufen Selenskyj zufolge derzeit Gespräche mit vom Irankrieg betroffenen Ländern über den Umgang mit Shahed-Drohnen. Verschiedene Länder, darunter die Vereinigten Staaten, hätten die Ukraine um Hilfe bei der Abwehr iranischer Drohnen gebeten, sagte Selenskyj. Er habe in den vergangenen Tagen mit den Staatschefs der Vereinigten Arabischen Emirate, Katars, Bahrains, Jordaniens und Kuwaits über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen.

Am Donnerstagabend ging Selenskyj sogar noch einen Schritt weiter und sprach in einem Posting in sozialen Medien  von einer »konkreten Anfrage« der USA, beim Schutz vor iranischen Drohnen zu helfen. »Ich habe die Anweisung gegeben, die notwendigen Mittel bereitzustellen und die Anwesenheit ukrainischer Spezialisten sicherzustellen, die die erforderliche Sicherheit gewährleisten können.«

Russland hat seit der Vollinvasion der Ukraine vor gut vier Jahren Zehntausende Shahed-Drohnen sowie deren Nachbauten – Geran genannt – auf das Nachbarland abgefeuert. Iran hat auf die gemeinsamen Angriffe der USA und Israels mit dem Einsatz desselben Drohnentypen gegen Länder im Nahen Osten reagiert.

Selenskyj: »Andernfalls werden wir die Adresse dieser Person unseren Streitkräften weitergeben«

Auf derselben Pressekonferenz nahm Selenskyj auch Stellung zum Konflikt mit Ungarn – und ließ sich dabei zu einem derben Spruch hinreißen. Das Land blockiert derzeit Ukrainehilfen der EU  in Höhe von bis zu 90 Milliarden Euro. Selenskyj sagte nun mit Blick auf den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán: »Wir hoffen, dass eine bestimmte Person in der EU die 90 Milliarden nicht länger blockiert«.

Ebenso hoffe man, dass die ukrainischen Soldaten auf diesem Weg Waffen erhielten. »Andernfalls werden wir die Adresse dieser Person unseren Streitkräften, unseren Leuten, weitergeben. Sollen sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer eigenen Sprache sprechen.«

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Selenskyj sagte weiter, die nach ukrainischen Angaben durch einen russischen Angriff im Januar beschädigte Druschba-Ölpipeline könnte in anderthalb Monaten technisch betriebsbereit sein. Die Pipeline transportiert Lieferungen nach Ungarn und in die Slowakei, die von den EU-Sanktionen gegen russisches Öl ausgenommen sind. Beide Länder werfen der Ukraine vor, die Reparaturen zu verzögern – eine Anschuldigung, die Kyjiw zurückweist.

sol/Reuters/AP