Die Ölpreise sind den dritten Tag in Folge gestiegen. Die Rohöl-Sorte Brent verteuert sich am Dienstag um bis zu 3,5 Prozent auf 80,45 Dollar je Barrel. US-Öl WTI notiert bis zu drei Prozent höher bei 73,38 Dollar je Barrel. Seit Montag haben beide Ölsorten zwischen acht und neun Prozent zugelegt. Zum Wochenauftakt war der Preis für die Sorte Brent zeitweise auf bis zu 82,37 Dollar geschnellt und hatte damit den höchsten Stand seit Januar 2025 erreicht.
Analysten rechnen in den kommenden Tagen mit weiter steigenden Preisen. Die Investmentbank Bernstein hob die Preisprognose für Brent-Öl für das Jahr 2026 von 65 auf 80 Dollar je Barrel an. Im Extremfall eines längeren Konflikts sei sogar ein Preis von 120 bis 150 Dollar möglich, hieß es. Saudi-Arabien musste nach einem Drohnenangriff seine größte Raffinerie schließen.
Auch der Preis für europäisches Erdgas ist deutlich gestiegen und erreichte den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Ein wichtiger Grund: Seit Beginn der Woche sind Exporte von LNG-Flüssiggas aus Katar gestoppt. Am Montag wurde eine wichtige Anlage zum Export von LNG-Flüssigas nach einem iranischen Drohnenangriff stillgelegt. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern suchen Kunden aus Asien derzeit fieberhaft nach Alternativen für ausfallende Gaslieferungen, was auch die Preise auf dem europäischen Markt nach oben treibt.
Seit Beginn der Woche hat sich europäisches Erdgas mittlerweile um mehr als 80 Prozent verteuert. An der Börse in Amsterdam lag der Preis für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat am Dienstag bei 59,44 Euro je Megawattstunde (MWh). Zum Vergleich: Zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren waren die Notierungen an der Börse zeitweise über 300 Euro je MWh gestiegen.
Betroffen von dem Anstieg ist der Gas-Großhandelspreis, der für Teile der Industrie, Kraftwerksbetreiber und Energieversorger wie etwa Stadtwerke relevant ist. Der Endkundenpreis für Privatverbraucher reagiert mit Verzögerung und war zuletzt sogar niedriger als vor einem Jahr.
Analysten warnen vor Zerstörung von Infrastruktur
Für die weitere Entwicklung der Energiepreise und mögliche Folgen des starken Anstiegs auf die konjunkturelle Entwicklung ist nach Einschätzung von Experten die Dauer des Kriegs im Nahen Osten entscheidend.
»Da eine schnelle Deeskalation nicht in Sicht ist, die Straße von Hormus praktisch geschlossen ist und der Iran die Bereitschaft zeigt, die Energieinfrastruktur in der Region anzugreifen, bleiben die Risiken für Preissteigerungen bestehen und nehmen zu, je länger der Konflikt andauert«, sagte Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG.
Der Irankrieg trifft den Energiemarkt empfindlich. Iran droht damit, auf jedes Schiff zu feuern, das versucht, die Straße von Hormus zu durchfahren. Ein hochrangiger Vertreter der iranischen Revolutionsgarden erklärte laut iranischen Medien, die Meerenge sei geschlossen. Versicherer haben ihre Deckung für Schiffe in der Region gestrichen. Der unter honduranischer Flagge fahrende Tanker »Athe Nova« brenne nach einem Drohnenangriff, meldeten iranische Nachrichtenagenturen.
Die Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem offenen Indischen Ozean verbindet, ist ein kritischer Korridor für den globalen Energiemarkt . Rund ein Viertel des weltweit verschifften Rohöls und etwa ein Fünftel der globalen Flüssigerdgastransporte müssen durch die Meerenge hindurch.
Analysten der Bank ING verwiesen neben der blockierten Handelsroute auf eine weitere Gefahr. Sie sehen ein größeres Risiko für den Markt, wenn Iran zusätzliche Energieinfrastruktur in der Region ins Visier nehmen würde. »Dies könnte zu längeren Ausfällen führen.« Am Montag hatte Saudi-Arabien nach einem Drohnenangriff seine größte Raffinerie im Inland geschlossen.
Die Angst vor einem Energiepreisschock setzt den deutschen Aktienmarkt weiter unter Druck. Der deutsche Leitindex Dax gab zu Handelsbeginn am Dienstag deutlich nach und fiel zeitweise um drei Prozent unter die Marke von 24.000 Punkten. Am Vortag hatte er bereits 2,4 Prozent eingebüßt.
Sprit und Heizöl deutlich teurer
Der Irankrieg macht auch Sprit und Heizöl teurer. Am Montag stiegen die Preise an den Tankstellen kräftig, nachdem sie bereits übers Wochenende leicht zugelegt hatten. Laut ADAC war Superbenzin der Sorte E10 am Montagnachmittag um 7,3 Cent teurer als zum gleichen Zeitpunkt am Freitag, dem letzten Tag vor der Eskalation. Bei Diesel waren es sogar 8,1 Cent. Schon am Sonntag hatten die Kraftstoffe im bundesweiten Tagesdurchschnitt die höchsten Werte seit dem Frühjahr 2024 erreicht.
»Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch über die nächsten Tage anhalten«, sagte ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Mittelfristig gebe es aber – sofern sich die Lage am Golf wieder beruhigen sollte – Hoffnung auf gemäßigtere Preise, da das Ölkartell Opec+ angekündigt hat, die Fördermengen zu erhöhen. Schnelle Besserung sei aber nicht in Sicht: »Während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauert es bei sinkenden Preisen oft länger«, sagte der ADAC-Experte. Er rät zum Tanken in den Abendstunden – dann ist Sprit in der Regel günstiger als am Morgen.
Auch Heizöl wurde deutlich teurer. Das Internetportal Heizoel24 gab den Preis am Montagvormittag zwischenzeitlich mit mehr 120 Euro pro 100 Litern an, später sank dieser Wert auf rund 118 Euro. Noch am Freitag hatten die Preise aber deutlich unter 100 Euro gelegen. Parallel zum Anstieg verzeichnete die Seite eine hohe Nachfrage.
Verband sieht Versorgung gesichert
Der für die Raffinerien und Markentankstellen zuständige Wirtschaftsverband Fuels und Energie betonte, die Märkte in Deutschland für Benzin, Diesel und weitere Produkte wie Heizöl und Flugkraftstoff seien weiter intakt. Die Versorgung sei gesichert, da Rohöl aus rund 30 Ländern nach Deutschland komme. Hauptlieferländer seien Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien.
Anmerkung der Redaktion: Die Meldung wurde um aktualisierte Preisdaten für Öl und Gas sowie Börsendaten ergänzt.
