SpOn 04.03.2026
18:45 Uhr

Iran-Krieg: Nato fängt iranische Rakete vor Türkei ab


Die Türkei hat eine iranische Rakete abgefangen: Offenbar hat Iran versucht, eine wichtige Militärbasis im Land zu treffen. Einen Bündnisfall hält Generalsekretär Rutte trotzdem für höchst unwahrscheinlich.

Iran-Krieg: Nato fängt iranische Rakete vor Türkei ab

Iran hat absichtlich eine Rakete auf das Bündnismitglied Türkei abgefeuert, davon geht die Nato aus. »Wir verurteilen, dass Iran die Türkei ins Visier nimmt«, teilte Nato-Sprecherin Allison Hart mit. Sie betonte, die Nato stehe fest an der Seite aller Bündnispartner und verwies auf die Unterstützung im Bereich der Luftverteidigung und Raketenabwehr.

Ein Nato-Abwehrsystem hatte am Nachmittag eine aus Iran abgefeuerte Rakete in der türkischen Grenzregion abgefangen. Das ballistische Geschoss war nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Ankara in Richtung des türkischen Luftraums unterwegs und durchquerte den Luftraum des Irak. Ein Teil der Abwehrrakete fiel demnach in der Grenzprovinz Hatay auf eine freie Fläche, es gab keine Verletzten.

Offenbar hat Iran versucht, die für die USA strategisch wichtige Luftwaffenbasis Incirlik anzugreifen. Von mehreren Nato-Militärs hieß es, die am frühen Mittwochmorgen in Iran abgefeuerte Rakete sei von der integrierten Nato-Flugabwehr über dem Mittelmeer lokalisiert worden. Anhand der Flugbahn müsse man davon ausgehen, dass sie auf Incirlik zielte.

Nato-Bündnisfall unwahrscheinlich

Dass die Nato zur Konfliktpartei wird, gilt trotz des Raketenbeschusses der Türkei als äußerst unwahrscheinlich. Generalsekretär Mark Rutte hatte am Dienstag in einem Interview des ARD-Studios Brüssel zur Frage nach einer möglichen Bündnisbeteiligung an dem Krieg gesagt, es gebe absolut niemanden, der glaube, dass die Nato daran beteiligt werde.

»Das ist Iran, das ist der Golf, das ist außerhalb des Nato-Gebiets«, erklärte er mit Blick auf den Geltungsbereich der Beistandsklausel des Bündnisses. Hinzu kommt, dass alle Mitgliedstaaten einem Bündniseinsatz zustimmen müssten.

Nach dem Abfangen der Rakete hat die Türkei den iranischen Botschafter einbestellt. Er sei in das Außenministerium in Ankara einbestellt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Ihm sei sowohl die Reaktion als auch die Besorgnis der Türkei mitgeteilt worden. Außerdem habe der türkische Außenminister Hakan Fidan mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghchi telefoniert und darauf hingewiesen, Schritte zu meiden, die zur Eskalation der Konflikte führen könnten.

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Die Türkei verhält sich im Krieg gegen Iran neutral und hat sich lange um eine diplomatische Lösung des Konflikts bemüht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte sich am Wochenende besorgt über die amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran gezeigt und alle Seiten zur Zurückhaltung aufgerufen. Er warnte, der Nahe Osten könnte zu einem »Feuerring« werden, sollte der Konflikt nicht eingedämmt werden. In der Türkei sind auch US-Soldaten stationiert. Der wichtigste Nato-Luftwaffenstützpunkt im Land ist in Incirlik in der südtürkischen Provinz Adana. Nach US-Angaben sind dort rund 1500 Militärangehörige stationiert. Der Stützpunkt gilt als wichtiges Drehkreuz für die Nato in der Region.

esk/dpa