SpOn 30.01.2026
22:28 Uhr

Iran: zu Gesprächen bereit – aber ebenso »bereit für einen Krieg«


Das Regime in Teheran zeigt sich offen für Gespräche mit den USA, schließt konkrete Treffen vorerst aus und betont zugleich seine militärische Stärke. Neue Aktivitäten an Atomstandorten verschärfen die Spannungen in der Region.

Iran: zu Gesprächen bereit – aber ebenso »bereit für einen Krieg«

Iran zeigt sich grundsätzlich offen für einen Dialog mit den Vereinigten Staaten, konkrete Gespräche mit Washington sind nach Angaben der Regierung in Teheran jedoch nicht geplant. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag mit seinem türkischen Amtskollegen Hakan Fidan in Istanbul sagte Außenminister Abbas Araghchi, sein Land sei zu Verhandlungen bereit, es gebe derzeit aber keine Absicht, sich »mit den Amerikanern zu treffen«. Dies berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur AP.

Voraussetzung für die Verhandlungen seien laut Araghchi klare Absprachen – über Format, Ort und Inhalte möglicher Gespräche. Zugleich betonte er die Entschlossenheit seines Landes: »Die Islamische Republik Iran ist ebenso bereit für Verhandlungen wie für einen Krieg.«

Militärdrohung der USA

Hintergrund sind die anhaltenden Spannungen zwischen Teheran und Washington. Die USA haben ihre Militärpräsenz in der Region verstärkt und drohen mit einer militärischen Reaktion auf das Vorgehen der iranischen Führung gegen die landesweiten Proteste.

Diese hatten als Demonstrationen gegen die wirtschaftliche Lage begonnen, sich jedoch rasch zu einer offenen Herausforderung für die theokratische Führung entwickelt. Menschenrechtsaktivisten sprechen von mindestens 6479 Todesopfern infolge der Repressionen.

Die Türkei als Vermittler

Die Türkei positioniert sich klar gegen eine Eskalation. Außenminister Hakan Fidan warnte vor den Folgen eines militärischen Eingreifens gegen Iran. Eine solche Intervention würde zu weiterer Instabilität in der Region führen. Er sei gegen den Einsatz militärischer Mittel zur Lösung von Problemen, da dies ineffektiv sei, sagte er. »Wir befürworten Verhandlungen und Diplomatie.«

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bot am Freitag in einem Telefonat mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian an, als Vermittler zwischen Teheran und Washington zu fungieren, wie das Präsidialamt in Ankara mitteilte. In Istanbul traf sich Araghchi mit mehreren türkischen Vertretern, um über Wege zur Deeskalation zu beraten.

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Revolutionswächter als Terrororganisation eingestuft

Zusätzlichen Zündstoff liefert eine Entscheidung der Europäischen Union: Sie stuft die iranischen Revolutionswächter aufgrund der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste als terroristische Organisation ein. Teheran reagierte umgehend. Ali Larijani, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, kündigte an, im Gegenzug könnten die Streitkräfte der EU-Staaten als »terroristische Vereinigungen« eingestuft werden. Das iranische Parlament werde voraussichtlich am Sonntag darüber entscheiden, schrieb Larijani auf der Plattform X. Eine Stellungnahme der EU lag zunächst nicht vor.

Araghchi hatte bereits zuvor den Ton verschärft. Das iranische Militär sei bereit, auf jeden Angriff zu reagieren – »zu Lande, zu Wasser oder in der Luft«, schrieb er auf der Plattform X. In einem weiteren Beitrag kritisierte er das Vorgehen der EU indirekt und erklärte, mehrere Länder bemühten sich derzeit, einen umfassenden Krieg in der Region zu verhindern. »Keines davon ist europäisch«, schrieb der Außenminister.

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Aktivitäten an iranischen Atomstandorten

Satellitenbilder zeigen neue Aktivitäten an Irans zerstörten Atomstandorten Isfahan und Natans. Nach israelischen und US-Angriffen im Juni 2025 wurden über beschädigte Gebäude nun Dächer errichtet, offenbar um zu verbergen, welche Materialien oder Ausrüstung nach den Angriffen noch nutzbar sind. Internationale Inspekteure dürfen die Anlagen weiterhin nicht betreten.

US-Präsident Trump fordert von Teheran Verhandlungen über das Atomprogramm und droht mit militärischen Schlägen, während die USA Kriegsschiffe in die Region verlegt haben.

Experten sehen in den Bauarbeiten keine Anzeichen für Wiederaufbau, sondern den Versuch Irans, Überreste wie hoch angereichertes Uran zu sichern. Zudem entstehen bei Natans neue unterirdische Anlagen, und auch das Isfahan-Gelände wird weiter ausgebaut.

Parallel dazu setzt Iran Arbeiten an seinem Raketenprogramm und an dem im Oktober 2024 zerstörten Militärstandort Partschin fort. Dort entstehen neue Bauten, möglicherweise für Tests, die mit der Entwicklung von Atomsprengsätzen verknüpft sein könnten.

dtt/AP