Steht Iran vor einem Regimesturz? Wie viele Menschen sterben gerade bei den Protesten? Und wie berichten wir überhaupt über die Lage vor Ort? Das werden wir von Leserinnen und Lesern immer wieder gefragt.
Einmal Realtalk: Das sagt unsere Nahost-Expertin aus der SPIEGEL-Dokumentation.
Zahra, Irans Regime geht brutal gegen die eigene Bevölkerung vor. Manche Organisationen schätzen, dass seit Ende Dezember 2500 Menschen getötet wurden. Woher kommt diese Zahl?
Zahra Akhgar:
Die Zahl der Getöteten variiert in internationalen Berichten stark. Einige gehen von 2000 Toten aus, andere Schätzungen gehen bis 20.000. Allein in einer Leichenhalle in Teheran sollen 700 bis 1000 Leichen gezählt worden sein, berichtet etwa ein Aktivist in den sozialen Medien. Proteste gab es aber in weit mehr als 100 Städten. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir die Zahlen nicht unabhängig überprüfen. Wir nennen daher immer die Quelle für die Zahlen oder zeigen die Spannbreite auf, in der sich die Schätzungen bewegen.
Die Journalistinnen in der Spiegel-Dokumentation kümmern sich darum, Infos zu verifizieren. Wieso ist das gerade so schwer?
Zahra Akhgar:
Es gibt in Iran keine freie und unabhängige Berichterstattung. Ausländische Journalisten kommen kaum ins Land. Das Regime und staatlich kontrollierte Medien verschleiern Ereignisse und liefern oft falsche Zahlen. Zeitweise waren Telefon und Internet abgeschaltet, um die Menschen zu isolieren. Es gab zwar einige Schlupflöcher über Starlink, eine Folge der Blockade ist aber, dass Informationen zeitverzögert oder nur in Teilen nach außen dringen. Wir haben Kontakte in Iran, die wir aber auch nicht immer erreichen.
Ausländische Medien wie der SPIEGEL sind daher oft auf Informationen von Menschenrechtsorganisationen oder von iranischen Exil-Medien angewiesen. Die haben größere Netzwerke vor Ort, aber stehen vor denselben Problemen wie wir. Zudem informieren einige interessengeleitet. Außerdem gibt es keine zentrale Stelle im Land, die Zahlen von allen Toten und Verletzten sammelt.
Steht Iran vor einer Revolution?
Zahra Akhgar:
Iranerinnen und Iraner sprechen schon seit den Protesten 2022 von einer Revolution. Was mit dem Regime passiert oder wann es zum Sturz kommt, aber auch wie sehr sich andere Länder wie die USA oder Israel einmischen, kann derzeit keiner sicher sagen.
Alle verlässlichen Infos gibt es auf SPIEGEL.de.