Diese winzige Meerenge entscheidet über Preise in aller Welt: die Straße von Hormus zwischen Iran und Oman. Daten von Schiffstrackern zeigen: Hier bewegt sich derzeit kaum etwas – die Durchfahrt ist zu gefährlich. Mindestens drei Tanker gerieten bereits vor der Golfküste unter iranischen Raketenbeschuss. Viele Reedereien stoppten daraufhin ihre Schiffe. Was bedeutet es, wenn der Krieg in Nahost den Verkehr hier zum Erliegen bringt?
Durch Hormus fließen im Schnitt 20 Millionen Barrel Öl pro Tag. Das sind rund ein Viertel des weltweiten Schifftransports von Öl und Ölprodukten Auch Gas ist betroffen: Etwa ein Fünftel des globalen LNG-Handels läuft durch diese Meerenge.
Hormus zu umgehen, ist schwierig. Es gibt Ausweichrouten per Pipeline, aber die Kapazitäten sind begrenzt – auf nur maximal 5,5 Millionen Barrel pro Tag. Fällt die Strecke aus, hat das Folgen für Verbraucher in aller Welt: Energie wird teurer – und das merkt man zuerst an der Zapfsäule, auch in Deutschland.
Besonders betroffen sind aber die Märkte in Asien: China, Indien, Japan und Südkorea beziehen den Großteil ihrer Importe über Hormus: 84 Prozent des Erdöls und 83 Prozent des LNG. Jede Störung auf der Route trifft Asien also besonders.
Ein möglicher Profiteur könnte Russland sein. Analysten halten es für möglich, dass China und Indien mehr Öl und Gas aus Russland kaufen, wenn sich der Konflikt in Nahost hinzieht – und damit Moskaus Kriegskasse füllen.
Nur wenige Tage vor dem israelisch-amerikanischen Angriff führte die iranische Revolutionsgarde in der Meerenge eine Militärübung durch, genannt: »Intelligente Kontrolle der Straße von Hormus« – mit Marineoperationen und schnellen Gegenmaßnahmen durch Raketen und Drohnen. Ein Signal an Washington, was eine Eskalation hier auslösen könnte.
Iran droht derweil jedem durchfahrenden Schiff mit Angriffen. Dutzende Tanker und Containerschiffe liegen vor der Engstelle vor Anker. Das geopolitische Nadelöhr für die Weltwirtschaft: Es ist zwar formal noch passierbar, doch faktisch ist das Risiko für viele zu hoch.