SpOn 07.01.2026
10:42 Uhr

Iran: Video soll Polizisten zeigen, die sich mit Demonstrierenden solidarisieren


Seit Tagen demonstrieren Menschen in Iran gegen das Regime. Nun kursiert ein Video aus der Stadt Abdanan, das zeigt, wie brüchig die Macht der Mullahs ist: Darauf zu sehen sind jubelnde Polizisten.

Iran: Video soll Polizisten zeigen, die sich mit Demonstrierenden solidarisieren

In Iran sind erneut Tausende Menschen auf den Straßen, in vielen Städten kommt es zu schweren Protesten. Die Wut der Menschen richtet sich gegen das islamistische Regime – und anders als bei früheren Protestwellen könnten sie die Unterstützung der Sicherheitskräfte verlieren. Ein Video zeigt iranische Polizisten, die von einem Dach aus Demonstranten zuwinken und applaudieren. Es soll im westiranischen Abdanan aufgenommen worden sein.

Im Video ist nicht ganz klar, ob die Polizisten zum Schutz vor den vorbeiziehenden Menschenmassen auf das Dach geklettert sind. In jedem Fall geben sie sich friedlich – und viele Demonstrierende winken ihnen fröhlich zurück. Polizei und Militär gelten in Iran als Stütze der religiösen Machthaber. In der Vergangenheit haben Sicherheitskräfte in Iran oft brutal Jagd auf Protestierende gemacht, in dem Land endete Protest oft mit Gefängnis oder gar dem Tod.

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Auch jetzt bleibt das Demonstrieren riskant. Laut Aktivisten sind bereits 29 Menschen ums Leben gekommen. Zuletzt kam es in der mehrheitlich kurdischen Provinz Ilam zu Ausschreitungen, wie Aktivisten in den sozialen Medien berichteten. Bei einem Begräbnis von getöteten Demonstranten riefen Trauernde in der Stadt Malekschahi Protestslogans gegen die autoritäre Führung der Islamischen Republik. »Tod dem Diktator«, war in Videos zu hören.

»Die Stimme der Menschen muss gehört werden«

Auch die regierungsnahe Nachrichtenagentur Fars berichtete auf Telegram über Unruhen in der Stadt. Dem Bericht zufolge setzten Demonstranten drei Banken in Brand. Der Gouverneur der Stadt forderte unterdessen Verständnis für die Proteste. »Die Stimme der Menschen muss gehört werden«, zitierte ihn das Portal Chabaronline. Protest dürfe jedoch nicht zur Gewalt führen, sagte er.

In den Provinzen geht Irans Staatsmacht seit Beginn der Proteste vor mehr als einer Woche deutlich härter vor als in den Metropolen. Auslöser der Demonstrationen war die schwere Wirtschaftskrise. Die Proteste richten sich inzwischen jedoch offen gegen die autoritäre Herrschaft der Islamischen Republik.

Justiz drängt auf Schnellverfahren

Irans Justizchef Gholam-Hossein Mohseni-Eje’i hat angesichts der anhaltenden Protestwelle Prozesse im Schnellverfahren angekündigt. »Zur schnellen, genauen und umfassenden Bearbeitung der Verfahren der Elemente der Unruhen wurden besondere Kammern unter Mitwirkung erfahrener Richter eingerichtet.« Der Justizchef erklärte weiter, dass seine Behörden angewiesen worden seien, bei Bedarf vor Ort präsent zu sein. Justizbeamte sollen sich über die Demonstrationen informieren und die Proteste aus nächster Nähe beobachten. Irans Präsident Massud Peseschkian hingegen rief die Sicherheitskräfte zur Zurückhaltung im Umgang mit den landesweiten Demonstrationen auf – solange die nationale Sicherheit nicht gefährdet wird.

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Ähnliche Schnellverfahren hatte die Justiz bereits nach dem Krieg gegen Israel vor gut einem halben Jahr angeordnet, um mutmaßliche Kollaborateure mit dem Erzfeind schneller zu verurteilen. Bei den großen Protestwellen der vergangenen Jahre war dies ebenfalls ein übliches Vorgehen.

Die aktuellen Proteste sind die schwersten seit drei Jahren. Im Herbst 2022 waren Menschenmassen unter dem Motto »Frau, Leben, Freiheit« auf die Straße gegangen. Im Zusammenhang mit den Aufständen ließ die Justiz danach mindestens zwölf Menschen hinrichten.

mrc/dpa