SpOn 17.01.2026
08:54 Uhr

Iran: Schiitenmilizen aus dem Irak und dem Libanon helfen offenbar bei Repressionen


Das iranische Regime hat in den vergangenen Jahrzehnten viel Geld in den Aufbau von Schiitenmilizen im Nahen Osten investiert. Nun setzt die Theokratie sie wohl ein, um die Demonstranten zu bekämpfen.

Iran: Schiitenmilizen aus dem Irak und dem Libanon helfen offenbar bei Repressionen

Bei der gewaltsamen Niederschlagung der Massenproteste in Iran sollen laut Medienberichten auch ausländische Milizen beteiligt sein.

  • In den vergangenen zehn Tagen seien Bewegungen schiitischer Milizen aus dem Libanon beobachtet worden, die das Land verlassen hätten, meldet die Nachrichtenagentur dpa; es dürfte sich dabei vorwiegend um Kader der Hisbollah handeln. Die Männer seien offiziell zu Pilgerreisen zunächst in den Irak gereist, wo sich zentrale Heiligtümer des schiitischen Islams befinden.

  • Am Donnerstag hatte bereits der US-Sender CNN berichtet , dass in den vergangenen Wochen fast 5000 Kämpfer verschiedener militanter Gruppen zur Unterstützung der iranischen Staatsmacht in ihr Nachbarland gereist waren.

  • Laut CNN gehören die Kämpfer Gruppen an, die den sogenannten Volksmobilisierungseinheiten (PMU) im Irak unterstehen. Es handelt sich dabei um ein einflussreiches Netzwerk, das 2014 zur Bekämpfung der Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) gegründet worden war und heute eine zentrale politische und militärische Rolle im Land spielt; Analysten sprechen auch von einer Parallelstruktur zum irakischen Staat.

Die Proteste in Iran haben Ende Dezember begonnen. Der Grund: Eine dramatische Wirtschaftskrise und eine sehr hohe Inflation. Rasch entwickelten sich die Demonstrationen zu politischen Protesten gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Irans Sicherheitsapparat hat die Proteste brutal niedergeschlagen, es gibt Berichte über Tausende Tote.

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Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA ruft Fluggesellschaften derweil auf, den iranischen Luftraum vorerst zu meiden. Auch im Luftraum benachbarter Länder sei Vorsicht geboten, besonders wenn es dort US-Militärstützpunkte gebe, heißt es in einer Mitteilung der EASA. Die Warnung gilt demnach zunächst für einen Monat.

Als Grund nennt die EASA unter anderem, dass die iranische Luftverteidigung wegen einer möglichen Militäraktion der USA in erhöhter Alarmbereitschaft sei. Der »mögliche Einsatz einer Vielzahl von Waffen und Flugabwehrsystemen in Verbindung mit unvorhersehbaren Reaktionen des Staates und der potenziellen Aktivierung von Flugabwehrsystemen« stelle auch eine Gefahr für die zivile Luftfahrt dar, heißt es in der Mitteilung. Man beobachte die Lage weiterhin genau, um die Risikolage beurteilen zu können.

dop/dpa