SpOn 19.01.2026
23:37 Uhr

Iran: Polizeichef setzt Demonstranten dreitägiges Ultimatum


Nach der brutalen Niederschlagung der Proteste in Iran ruft die Polizei junge Menschen auf, sich binnen drei Tagen zu stellen. Sie würden als »verwirrte Personen« betrachtet, während die »Anstifter« hart bestraft werden sollen.

Iran: Polizeichef setzt Demonstranten dreitägiges Ultimatum

Nach der brutalen Niederschlagung der Proteste gegen die Führung Irans hat der Polizeichef des Landes Demonstranten aufgerufen, sich binnen drei Tagen den Behörden zu stellen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Junge Menschen, die »unwissentlich in die Unruhen verwickelt« worden seien, würden als »getäuschte Personen und nicht als feindliche Soldaten« betrachtet und »mit Nachsicht vom System der islamischen Republik« behandelt, sagte der Behördenchef Ahmad-Resa Radan am Montag im iranischen Staatsfernsehen.

Die Islamische Republik will »den Aufrührern das Rückgrat brechen«

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian, sein Justizchef und der Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf kündigten in einer gemeinsamen Erklärung an, dass die »Anstifter ›terroristischer Vorfälle‹ entschlossen bestraft« werden würden.

Die politische und geistliche Führung Irans stellt die Ende Dezember begonnenen Proteste als Komplott ihrer Erzfeinde USA und Israel dar. Das geistliche Oberhaupt der islamischen Republik, Ajatollah Ali Khamenei, hatte am Samstag von einer »amerikanischen Verschwörung« gesprochen und gefordert, die »iranische Nation« müsse »den Aufrührern das Rückgrat brechen«.

Die Proteste in Iran hatten am 28. Dezember begonnen. Sie entzündeten sich an der schlechten Wirtschaftslage, weiteten sich aber rasch zu einer Massenbewegung gegen die religiöse und politische Führung der Islamischen Republik aus. Die Behörden gingen brutal gegen die Demonstranten vor. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) wurden mindestens 3428 Demonstrierende getötet, einige Schätzungen gehen demnach sogar von 5000 bis 20.000 Toten aus.

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Im Zuge der Proteste wurde im Land das Internet blockiert. Am elften Tag der Sperre kündigte der stellvertretende Leiter der iranischen Behörde für Wissenschaft, Technologie und Wissensökonomie an, der Netzzugang werde »nach und nach zum Normalbetrieb zurückgebracht«. Am Sonntag waren in Iran ausländische Webseiten wie Google kurzzeitig aufrufbar gewesen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Zuletzt war es jedoch erneut unmöglich, Links aus Suchergebnissen zu öffnen.

mgr/AFP