Krankenhäuser in Iran sind nach Angaben von Mitarbeitern mit toten und verletzten Patienten überfüllt, die bei den Protesten gegen das Regime zu Schaden gekommen seien, wie die BBC berichtet . Ein Sanitäter in einem Krankenhaus in Teheran sagte, es habe »direkte Schüsse auf die Köpfe der jungen Menschen, auch auf ihre Herzen« gegeben.
Zwei Krankenhausmitarbeiter sagten der BBC, sie hätten Schusswunden behandelt, die sowohl von normaler scharfer Munition als auch von Schrotkugeln stammten. Aufgrund der vielen Toten gäbe es nicht genug Platz in der Leichenhalle, sagte eine weitere Quelle. Viele der Toten seien zwischen 20 und 25 Jahre alt gewesen.
Ein Augenzeuge der Proteste in Teheran sagte der BBC, dass die iranische Generation Z maßgeblich zu den Protesten beigetragen habe. Sie habe ihre Eltern und ältere Menschen ermutigt, sich den Demonstrationen anzuschließen und sie aufgefordert, keine Angst zu haben.
Die aktuelle Protestwelle in Iran wurde durch die massive Wirtschaftskrise und den plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung ausgelöst. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler auf die Straße. Inzwischen haben sich die Proteste auf große Teile des Landes ausgeweitet. Hunderte Demonstranten sollen verletzt oder getötet worden sein.
Mehr als 2300 weitere Menschen seien festgenommen worden, berichtete das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA. Trotz einer nahezu vollständigen Internetsperre habe es Demonstrationen in 180 Städten gegeben. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Regierung spricht von »Terroristen«
Die iranische Führung spielte die landesweiten Massenproteste am Samstag herunter. In den meisten Städten des Landes habe Ruhe geherrscht, erklärte ein Sprecher im Staatsfernsehen, wie laut Übersetzung aus einem Video der Nachrichtenagentur des staatlichen iranischen Rundfunkverbundes, Iribnews, hervorgeht.
Weiter hieß es, laut Berichten aus dem Einsatzgebiet hätten »bewaffnete Terroristen« zwar erneut versucht, die öffentliche Sicherheit in verschiedenen Städten zu stören. Dank des Eintreffens der Sicherheitskräfte und der starken Präsenz der Bevölkerung sei es aber zu keinen bewaffneten Angriffen gekommen. In der Stadt Kaswin hätten Menschen die Aktionen »bewaffneter Terroristen« scharf verurteilt.
Derweil wächst die Sorge vor ausländischer Einmischung, wodurch sich die Lage noch einmal verschärfen könnte. US-Präsident Donald Trump hat den Demonstranten in Iran die Unterstützung der USA zugesichert. »Iran schaut auf die FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA stehen bereit zu helfen!!!«, schrieb Trump am Samstag in sozialen Medien.
Ein hochrangiger US-Geheimdienstmitarbeiter beschrieb die Lage als Ausdauerkampf. Die Opposition versuche, den Druck aufrechtzuerhalten, bis wichtige Regierungsvertreter entweder fliehen oder die Seiten wechseln. Die Behörden hingegen versuchten, genug Angst zu verbreiten, um die Straßen zu räumen, ohne den USA einen Grund zum Eingreifen zu geben, sagte der Beamte, der namentlich nicht genannt werden wollte.

