Ihr Lebenslauf könnte direkt aus dem Geschichtenfundus von Scheherazade stammen: Vom Wunderkind zum Superstar zur Gefangenen im eigenen Land, gehasst vom Regime, verehrt von Millionen.
Heute lebt die iranische Sängerin Googoosh, 75, schon lange im US-Exil, und hat gerade angekündigt, erst wieder zu singen, wenn ihre Landsleute in Freiheit sind, berichtet die »Times «. Die als Faegheh Atashin geborene Künstlerin stand schon als Kleinkind auf der Bühne, im Teenageralter verdiente sie als Schauspielerin und Sängerin den größten Teil des Familieneinkommens. In Iran stieg sie zur bekanntesten Popsängerin auf, ihre extravaganten Outfits sorgten für Aufsehen, ihre zweite Ehe mit einem iranischen Filmstar galt als Antwort des Nahen Ostens auf Elizabeth Taylor und Richard Burton. Da war sie 26 Jahre alt.
Superstar Googoosh in jungen Jahren: Geburtstagsständchen im Palast
Foto: VTR / Alamy / mauritius imagesDie »Times« nennt ihr damaliges Leben »unfassbar glamourös«, regelmäßige Reisen zum Luxusshoppen in Paris inklusive. Googoosh trug Geburtstagsständchen im Palast des Schahs vor, sie stand auf Bühnen in aller Welt und sang auf Persisch, Französisch, Spanisch und Englisch. Teheran war eine pulsierende, kosmopolitische Stadt und die Musikerin gehörte zur Hautevolee.
Der Sturz des Schahs 1979 änderte alles. Googoosh, die nach einer Auslandsreise freiwillig wieder nach Teheran ging, kam ins Gefängnis, dann in Hausarrest. Musik und Tanz wurden verboten, Singen galt als Sünde. Erst nach zwei Jahrzehnten durfte sie wieder reisen – und singen: Sie gab im Jahr 2000 ein umjubeltes Konzert in Kanada mit 20.000 Zuschauern. Doch vor der Heimkehr wurde sie gewarnt, ihr Leben sei in Gefahr.
So lebte sie seither in Toronto, Paris und New York, bis sie nach Los Angeles zog, wo die größte iranische Gemeinde außerhalb des Landes zu finden ist. Dort tritt Googoosh immer wieder bei öffentlichen Demonstrationen gegen das Regime in Teheran auf, sie ist eine zentrale Figur des Widerstands in und außerhalb Irans. Ihre Lieder können viele auswendig. Jetzt erscheint in Großbritannien ihre Autobiografie »A Sinful Voice«. Sie wolle, sagte sie nun der »Times«, den jungen Leuten in ihrer Heimat, an der sie nach wie vor und trotz allem hänge, eine Stimme geben: »Wegen dem, was mir passiert ist.«
