SpOn 05.03.2026
10:50 Uhr

Iran: Fußballerinnen singen Hymne bei Länderspiel in Australien


Noch am Montag hatte das iranische Fußballteam bei einem Länderspiel während der Hymne kollektiv geschwiegen. Bei seiner zweiten Asien-Cup-Partie sah das nun anders aus.

Iran: Fußballerinnen singen Hymne bei Länderspiel in Australien

Die Unsicherheit der iranischen Fußballerinnen war spürbar, Sekunden bevor ihre Hymne im zweiten Spiel des Asien-Cups erklang, ausgetragen in Australien, fast 10.000 Kilometer entfernt von der Heimat. Stürmerin Shabnam Behesht warf einen letzten Blick nach links, vergewisserte sich, was die Mitspielerinnen taten. Dann hob auch sie die rechte Hand an die Schläfe. Der Salut, zögerlich, aber deutlich sichtbar.

Noch am Montag, beim Auftakt des Asien-Cups gegen Südkorea, hatten die Iranerinnen geschwiegen. Kein Gesang, keine Geste, auch auf der Trainerbank: Stille.

Nun, drei Tage später, im zweiten Gruppenspiel gegen Australien (Endstand: 0:4), war das Bild ein anderes. Die Spielerinnen salutierten geschlossen und sangen die Hymne. Manche bewegten dabei nur die Lippen, aber niemand schwieg. Die Kameras zeigten ähnliche Szenen in der Coachingzone.

Auf den Rängen im Stadion von Gold Coast herrschte zunächst Irritation, einige Pfiffe waren zu hören. Nach der Hymne brandete aber Applaus auf. Vielleicht war es Beifall für den Versuch, einer schwierigen Lage irgendwie gerecht zu werden. Denn der Druck, unter dem die iranischen Spielerinnen nach dem Tod von Revolutionsführer Ali Khamenei  am ersten Tag der US-amerikanischen-israelischen Luftangriffe stehen, ist immens.

Mehr zum Thema

Seit Monaten sind iranische Athletinnen Symbolfiguren im Spannungsfeld zwischen sportlicher Repräsentation und politischer Unterdrückung. Das Regime in Teheran erwartet Loyalität, das Ausland sieht in ihnen Gesichter des Widerstands. Nach der jüngsten Eskalation im Nahen Osten ist der schmale Grat zwischen Anpassung und Haltung noch einmal gefährlicher geworden.

Erinnerungen an die WM 2022

Schon die Männermannschaft hatte bei der WM 2022 in Katar mit einem stillen Protest größere Aufmerksamkeit erregt. Im ersten Spiel gegen England standen die elf Spieler nebeneinander, die Arme um die Schultern gelegt – und sangen nicht .

Ihr Schweigen galt den Protestierenden in Iran, nachdem die junge iranische Kurdin Jina Mahsa Amini von der Sittenpolizei festgenommen und tödlich verletzt worden war. Im zweiten Spiel sangen sie damals wieder.

Jetzt tun es die Frauen ihnen gleich: erst das Schweigen, dann der Gesang.

Lesen Sie hier eine Analyse über ein Team , dessen Auftreten längst mehr bedeutet als nur Fußball.

Nach der 0:4-Niederlage gegen Australien und dem 0:3 im ersten Spiel gegen Südkorea hat die iranische Auswahl bereits vor dem abschließenden Spieltag am Sonntag gegen die Philippinen keine Chance mehr, sich für das Viertelfinale des Asien Cups zu qualifizieren.

jan