SpOn 07.09.2026
10:18 Uhr

Iran: Fußballerinnen erklären Schweigen bei Hymne als Protest


Beim Asien-Cup sangen Irans Fußballerinnen die Nationalhymne nicht mit. Eine offizielle Erklärung gab es danach nicht. Nun sagen die beiden in Australien gebliebenen Spielerinnen: Es war ein Protest gegen die Führung in Teheran.

Iran: Fußballerinnen erklären Schweigen bei Hymne als Protest

Die iranischen Fußballspielerinnen Fatemeh Pasandideh und Atefeh Ramezanisadeh haben ihren Verzicht auf die iranische Nationalhymne beim Frauen-Asien-Cup erstmals als Protest gegen die Regierung in Teheran bezeichnet. Die beiden hatten in Australien Asyl beantragt. Ihr Interview wurde in der australischen Sendung »60 Minutes« ausgestrahlt.

»Wir wollten einfach nur zu unserem Volk stehen. Ich hatte manchmal Angst, aber ich habe versucht, das Richtige zu tun und auszudrücken, dass niemand wegen eines Protests getötet werden sollte«, sagte Ramezanisadeh mithilfe eines Dolmetschers.

Die beiden gehörten zu den zunächst sieben Teammitgliedern, die während des Turniers im März in Australien Schutz beantragt hatten. Vor dem Auftaktspiel gegen Südkorea hatte die iranische Mannschaft die Nationalhymne nicht mitgesungen. Der Verzicht wurde in Iran als Zeichen gegen die Führung in Teheran gewertet. Iranische Medien bezeichneten die Spielerinnen später als »Verräterinnen«. Bei den folgenden Partien sangen sie die Hymne wieder mit und salutierten. Eine öffentliche Erklärung der Mannschaft gab es danach nicht. Fünf der Spielerinnen zogen ihren Antrag auf Asyl später zurück und kehrten nach massivem Druck auf ihre Familien schließlich nach Iran zurück.

Iranische Fußballerinnen vor dem Spiel gegen Südkorea

Iranische Fußballerinnen vor dem Spiel gegen Südkorea

Foto: Dave Hunt / EPA

»Ich wollte die Hymne mit Stolz und von ganzem Herzen singen. Aber aufgrund der Lage in Iran konnte ich das wirklich nicht tun«, sagte die 34-jährige Ramezanisadeh. Pasandideh, 22, erklärte: »Mein Volk hat sein Leben aufs Spiel gesetzt und wurde getötet. Das zu tun, war das Mindeste, was wir für sie tun konnten.«

Ramezanisadeh und Pasandideh spielen inzwischen für die semiprofessionelle Mannschaft Wynnum Wolves in Brisbane. Im August erhielten sie die australische Staatsbürgerschaft. Beide Frauen sagten, sie hätten seit Monaten keinen Kontakt zu ihren Familien in Iran. Ramezanisadeh erklärte, ihre Eltern hätten sie auf Anweisung der iranischen Behörden gebeten, zurückzukehren. Sie wolle ihre Familie wiedersehen – aber erst, wenn sich die Lage in Iran verändert habe.

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Pasandideh sagte, sie habe ihre Teamkolleginnen nicht gefragt, ob sie nach Iran zurückkehren wollten oder dazu gezwungen worden seien. »Wir haben beschlossen, nicht darüber zu sprechen, weil ich ihr Leben nicht in Gefahr bringen will«, so Pasandideh.

luc/AP