Der iranische Staat hat erstmals eine offizielle Zahl der Todesopfer nach den jüngsten Massenprotesten genannt. Nach Angaben des staatlichen Fernsehens kamen seit Beginn der Demonstrationen am 28. Dezember insgesamt 3117 Menschen ums Leben. Diese Zahl wurde am Mittwochabend in einer Erklärung der staatlichen Märtyrerstiftung bekannt gegeben, wie unter anderem die Nachrichtenagentur AP berichtet.
In der offiziellen Erklärung heißt es, dass 2427 der Getöteten Zivilisten oder Angehörige der Sicherheitskräfte gewesen seien. Zu den übrigen Opfern machte die Regierung keine weiteren Angaben.
Menschenrechtsorganisationen bezweifeln die Darstellung. Das US-amerikanische Menschenrechtsnetzwerk Human Rights Activists News Agency (HRANA) hat laut seinem Bericht vom 20. Januar mittlerweile 4519 Todesfälle verifiziert. Das Exilmedium Iran International hat seine Schätzungen von zunächst 12.000 Toten mittlerweile auf 16.000 erhöht. Hinzu kommen womöglich Hunderttausende Verletzte.
Drohung Richtung Washington
Zeitgleich verschärft Teheran den außenpolitischen Ton. So drohte Außenminister Abbas Araghchi den USA in ungewöhnlich deutlicher Form. In einem Gastbeitrag im »Wall Street Journal« schrieb er, Iran werde »mit allem zurückschlagen, was wir haben«, sollte das Land erneut angegriffen werden. Dies sei »keine Drohung, sondern Realität«, so Araghchi, der jedoch betonte, als Diplomat den Krieg zu verabscheuen.
Der Minister stellte die Proteste erneut als von Gewalt geprägt dar und behauptete, die »gewaltsame Phase« habe weniger als 72 Stunden gedauert.
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Internetzugang bleibt gesperrt
Seit dem 8. Januar ist der Internetzugang im Land weitgehend gesperrt. Nur langsam dringen Aufnahmen nach außen, die das volle Ausmaß der gewaltsamen Niederschlagung der Massenproteste zeigen. Unter anderem zeigen Videos wiederholt den Einsatz scharfer Munition durch Sicherheitskräfte gegen offenbar unbewaffnete Demonstrierende.
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