SpOn 04.03.2026
22:05 Uhr

Iran - Buschehr: Russland stoppt Arbeiten an Kernkraftwerk


Der staatliche russische Atomkonzern Rosatom baut im iranischen Buschehr an einem zweiten Reaktorblock. Nun wurden die Arbeiten eingestellt. Zuvor war ein Flughafen der Hafenstadt angegriffen worden.

Iran - Buschehr: Russland stoppt Arbeiten an Kernkraftwerk

Russland sieht wegen der Angriffe der USA und Israels auf Iran eine wachsende Gefahr für das Kernkraftwerk Buschehr und hat deshalb seine Arbeiten dort eingestellt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Bereits zuvor war dieser Schritt erwartet worden.

Wenige Kilometer vom AKW entfernt seien Explosionen zu hören, sagte Alexej Lichatschow, Chef des staatlichen russischen Atomkonzerns Rosatom, in Moskau. »Das richtet sich nicht gegen das Werk, sondern gegen Militäranlagen dort«, sagte er der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. »Doch die Bedrohung wächst, je intensiver der Konflikt wird.«

Die Russen bauen in Iran an einem zweiten Reaktorblock. Familien und Kinder der russischen Spezialisten sollen schon vor den Angriffen in Sicherheit gebracht worden sein.

Die Atomanlage Buschehr, das einzige iranische Atomkraftwerk, liegt etwa 760 Kilometer südlich von Teheran am Persischen Golf. Sein Reaktor russischer Bauart liefert seit 2011 Strom.

Iranische Medien hatten am Dienstag berichtet, dass ein Flughafen der Hafenstadt bombardiert worden sei.

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Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA sind bislang keine iranischen Anlagen, in denen Atommaterial gelagert wird, beschädigt worden. »Basierend auf den neusten verfügbaren Satellitenbildern« seien »keine Schäden an Anlagen, in denen nukleares Material gelagert wird«, zu sehen, teilte die Uno-Organisation am Mittwoch im Onlinedienst X mit. Es bestehe daher »derzeit auch keine Gefahr der Freisetzung radioaktiver Strahlung«.

In der Nähe der iranischen Atomanlage Natans nahe der Stadt Isfahan seien dagegen »Schäden an zwei Gebäuden sichtbar«, hieß es weiter. Es seien aber »keine weiteren Auswirkungen festgestellt« worden, nachdem am Dienstag »Schäden an den Eingängen« gemeldet worden seien. Der IAEA zufolge gab es »keine Auswirkungen auf andere Nuklearstandorte, einschließlich Buschehr« im Südosten.

Im Juni hatten die USA an der Seite Israels drei wichtige iranische Atomanlagen bombardiert. US-Präsident Donald Trump zufolge wurden die Anlagen Fordo, Natans und Isfahan in dem zwölf Tage dauernden Krieg vollständig zerstört, der wirkliche Umfang der Schäden ist aber nicht klar. Die Angriffe im Juni erfolgten mit dem erklärten Ziel, Teheran vom Bau einer Atombombe abzuhalten. Die IAEA-Inspektoren haben seit dem Zwölftagekrieg im Juni keinen Zugang zur Atomanlage Natans.

Nach Einschätzung der IAEA ist Iran das einzige Land ohne eigene Atomwaffen, das Uran auf 60 Prozent anreichert. Westliche Staaten werfen Iran seit Jahren vor, nach Atomwaffen zu streben, was Teheran bestreitet. Trump bezeichnete das iranische Atomprogramm als einen der Gründe für die neuen Angriffe.

dop/dpa/AFP/Reuters