SpOn 11.01.2026
09:26 Uhr

Iran: Benjamin Netanyahu und Marco Rubio diskutierten offenbar US-Intervention


Die USA erwägen offenbar immer konkreter, sich in Iran einzumischen. Bei den Protesten im Land sind fast 200 Menschen gestorben. Israel geht laut Nachrichtenagentur Reuters in ‌erhöhte Alarmbereitschaft.

Iran: Benjamin Netanyahu und Marco Rubio diskutierten offenbar US-Intervention

Es ist ein weiterer Anlauf, das verhasste Regime zu stürzen: Schon seit Tagen protestieren Menschen in Iran gegen die politische Führung des Landes. Die Zusammenstöße werden dabei immer heftiger, es gab nach Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) schon mindestens 192 Tote und zahlreiche Verletzte. Und der Konflikt könnte weiter eskalieren: Denn die USA erwägen offenbar immer konkreter, sich einzumischen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sollen ⁠der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und US-Außenminister Marco Rubio in einem Telefongespräch am Samstag über konkrete Möglichkeiten einer US-Intervention in ‌Iran gesprochen haben. Reuters bezieht sich dabei auf eine Person, die bei dem Gespräch anwesend gewesen sein soll. Ein US-Vertreter ‍bestätigte, dass beide Männer miteinander telefoniert hätten, äußerte sich jedoch nicht zu ‍den besprochenen Themen.

US-Intervention scheint realistischer zu werden

US-Präsident Donald Trump hatte dem Regime in Teheran bereits angedroht, die USA würden eingreifen, sollte es zu einem Blutvergießen in Iran kommen. Dass dies ein immer realistischeres Szenario wird, zeigt offenbar auch die Tatsache, dass Israel laut Reuters hinsichtlich einer potenziellen US-Intervention in Iran in ‌erhöhte Alarmbereitschaft gegangen ist. Das bestätigten drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur. Sie hatten am Wochenende nach eigenen Angaben an den Beratungen der israelischen Regierung über Sicherheitsfragen teilgenommen.

Protestierende in Teheran

Protestierende in Teheran

Foto: MAHSA / Middle East Images / IMAGO

Die »New York Times« meldete unter Berufung auf US-Beamte zudem, Trump sei in den vergangenen Tagen über neue Optionen für Militärschläge in Iran informiert worden. Er erwäge ernsthaft, seine Drohung wahr zu machen, das Land wegen der Unterdrückung der Proteste anzugreifen.

Trump hatte die iranische Führung in den vergangenen Tagen wiederholt davor gewarnt, Gewalt gegen Demonstranten einzusetzen. Am Freitag drohte er: »Ihr solltet besser nicht anfangen zu schießen, denn dann werden wir auch schießen.« Am Samstag erklärte er, ​die USA stünden »bereit zu helfen«. ‌

Iran droht mit Gegenschlägen

Iran hat nun seinerseits den USA und seinem Erzfeind Israel Konsequenzen angedroht, sollte es einen US-Angriff geben. Jede Attacke Washingtons werde zu Angriffen auf Israel und regionale US-Militärstützpunkte als »legitime Ziele« führen, zitierte der arabische Sender Alaraby auf X Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf. Ghalibaf äußerte diese Drohung laut der Nachrichtenagentur AP, während Abgeordnete im iranischen Parlament das Podium stürmten und riefen: »Tod den USA!« Ghalibaf soll weiter gesagt haben, das iranische Volk solle »wissen, dass wir mit ihnen auf die härteste Weise umgehen und diejenigen bestrafen werden, die verhaftet werden«.

Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf, aufgenommen im Juni 2024

Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf, aufgenommen im Juni 2024

Foto: Shadati / XinHua / dpa

Derweil steigt die Zahl ‌der Opfer durch die Gewalteskalation immer weiter. Inzwischen sei laut IHR von 192 Todesopfern auszugehen. Die iranische Menschenrechtsgruppe HRANA hatte zuvor von mindestens 116 Toten gesprochen. Zuvor hatte sie bis zum 9. Januar 65 Tote – ​50 Demonstranten und ‌15 Sicherheitskräfte – ⁠dokumentiert.

Die Proteste halten seit gut zwei Wochen an. Sie haben sich in ⁠der Hauptstadt Teheran an der steigenden Inflation entzündet, rasch ‌ausgeweitet und ‍richten sich nun auch gegen ‍die Führung. Bei landesweiten Demonstrationen strömten am Sonntag erneut Tausende Menschen in der Hauptstadt und anderen Städten des Landes auf die Straßen und überschritten damit die Zweiwochenmarke.

Mehr zum Thema

Da das Internet in Iran abgeschaltet und die Telefonleitungen gekappt sind, ist es allerdings immer schwieriger geworden, die Demonstrationen aus dem Ausland zu beobachten.

mkh/dpa/Reuters/AP