Benjamin Netanyahu beschäftigt sich gern mit Geschichte. Der Sohn eines Historikers hat den Angriff auf Iran am Samstag dann auch gleich zweimal genutzt, um das herauszustellen.
Erst ließ er sich während eines Telefonats mit US-Präsident Donald Trump an seinem Schreibtisch ablichten, vor ihm ein Hardcoverband mit dem vielsagenden Titel: »Allies at War. The Politics of Defeating Hitler«.
Netanyahu nebst Geschichtslektüre »Allies at War«
Foto: Avi Ohayon / Israel Government Press Office (GPO)Dann hielt er eine Rede an die Nation. »Wir haben Khameneis Anwesen zerstört. Es gibt viele Zeichen, dass der Diktator nicht mehr lebt«, sagte der israelische Premier. Und erinnerte seine Landsleute dann an Joseph Trumpeldor, eine mythische Figur aus der Frühzeit des Zionismus, dessen Leben geprägt war von Kämpfen:
Der studierte Zahnarzt war 1911 aus dem zaristischen Russland nach Palästina eingewandert; als Soldat hatte er zuvor im Japanisch-Russischen-Krieg an der Belagerung von Port Arthur teilgenommen und dabei einen Arm verloren.
Der versehrte Veteran kämpfte trotzdem im Ersten Weltkrieg in der sogenannten »Jüdischen Legion« an der Seite der Briten.
Als dann 1920 die Zionisten der Ortschaft Tel Chai in Galiläa um Unterstützung bei der Abwehr lokaler arabischer Kämpfer baten, schloss sich Trumpeldor einem kleinen Verteidigungstrupp an.
Er schien der richtige Mann für so ein Himmelfahrtskommando zu sein. Zuvor hatte Trumpeldor öffentlich erklärt: »Wir müssen eine Generation von Männern heranziehen, die keine Interessen und keine Gewohnheiten haben – Stangen aus Eisen, elastisch, aber aus Eisen, aus Metall, das zu allem geschmiedet werden kann, was die nationale Maschine für nötig befindet.«
Die »Jüdische Legion« im Ersten Weltkrieg
Foto:WHA / United Archives / picture alliance
Bei der Schlacht um Tel Chai fiel Trumpeldor, mit ihm starben sieben Mitstreiter. Seine letzten martialischen Worte haben sich tief ins kollektive Gedächtnis der Israelis eingebrannt: »Belanglos, es ist gut, für das Vaterland zu sterben.«
»Brüllender Löwe«: Gedenkstatue für Trumpeldor in Tel Chai
Foto: xAnchorstockx via -images.d / Pond5 Images / IMAGOIn Tel Chai steht heute noch eine Gedenkstatue für Trumpeldor – ein brüllender Löwe. Und bis heute wird ihm auch, dem jüdischen Kalender folgend, am 11. Adar gedacht. Ebendieser 11. Adar war am Samstag, da jährte sich der Todestag Trumpeldors zum 106. Mal.
Israelischer Kampfjet
Foto: Anadolu / Israel Defense Forces (IDF) / Getty ImagesMit Blick auf die 200 Kampfjets, die 500 Ziele in Iran angegriffen hatten, erklärte Netanyahu: »Sein Vermächtnis und sein Heldentum pulsiert in uns.« Und fügte hinzu: »Mit Gottes Hilfe ist das Löwengebrüll unserer Soldaten, unserer Piloten und unserer Bürger heute auf der gesamten Welt zu hören.«
