SpOn 07.12.2025
11:06 Uhr

Iran: Auto-Betrug in Millionenhöhe – Manager hingerichtet


Seine Firma lockte mit günstigen Autos, lieferte diese aber kaum aus: In Iran wurde das Todesurteil gegen einen Manager vollstreckt. Es war eine von wohl mehr als 1000 Hinrichtungen in diesem Jahr.

Iran: Auto-Betrug in Millionenhöhe – Manager hingerichtet

In Iran ist ein Manager für einen Millionenbetrug im Autogeschäft mit Zehntausenden Geschädigten hingerichtet worden. Wie die mit der iranischen Justiz verbundene Nachrichtenagentur Misan berichtet , wurde die Todesstrafe gegen den Mann am Sonntagmorgen (Ortszeit) vollstreckt.

Hintergrund ist ein Skandal, der 2013 begann. Die iranische Firma Resajat Chodro Tarawat Nowin hatte Zehntausende Käufer mit günstigen Autos gelockt, diese jedoch kaum ausgeliefert. Stattdessen zahlte das Unternehmen Entschädigungen aus dem Geld neuer Kunden – ein klassisches Schneeballsystem. Insgesamt soll die Firma ihre Kunden um umgerechnet rund 57 Millionen Euro betrogen haben. Wegen der hohen Inflation im Land und des damit verbundenen Währungsverfalls dürfte der tatsächliche Schaden deutlich höher liegen.

Laut einem Bericht von Misan verloren mehr als 28.000 Menschen ihr Erspartes. Firmenchef Mohammed Ghafari war vor knapp zwei Jahren festgenommen und nach einem monatelangen Prozess nun zum Tode verurteilt worden.

Viele Iraner sparen jahrelang auf ein Auto

In Iran sind Autos deutlich teurer als in Deutschland. Einer der Hauptgründe dafür ist der ausgeprägte Protektionismus: Importe sind mit wenigen Ausnahmen verboten. Stattdessen setzt das Regime zum Schutz von Arbeitsplätzen auf die heimische Industrie.

Kleinwagen und Einstiegsmodelle sind mit umgerechnet gut 10.000 Euro bei einem durchschnittlichen Monatslohn von nur wenigen Hundert Euro für einen Großteil der Bevölkerung extrem teuer. Gebrauchtwagen verlieren kaum an Wert und gelten als Investition. Viele Iranerinnen und Iraner sparen jahrelang auf ein Auto, das oft auch als Statussymbol gilt.

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Benzin hingegen ist in dem ölreichen Land billig und kostet umgerechnet nur wenige Cent pro Liter.

Kritik von Menschenrechtlern: Mehr als 1000 Todesurteile vollstreckt

Menschenrechtler kritisieren seit Jahren eine rigorose Anwendung der Todesstrafe in Iran. Laut Amnesty International  gab es in diesem Jahr so viele Hinrichtungen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Demnach wurden bis Ende September bereits mehr als 1000 Todesurteile vollstreckt. Menschenrechtler werfen der örtlichen Justiz vor, Hinrichtungen auch zur Einschüchterung kritischer Stimmen zu nutzen.

Während des Kriegs gegen Israel im Juni  und nach Inkrafttreten einer Waffenruhe waren Irans Sicherheitsbehörden vehement gegen angebliche Kollaborateure vorgegangen. Iranische Medien berichteten von einer Reihe von Hinrichtungen wegen angeblicher Spionage für Israel.

irb/dpa