Das geistliche Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Khamenei, soll für den Ernstfall eine Flucht aus seinem Land vorbereitet haben. Der Notfallplan sei für den Fall gedacht, dass es den Sicherheitskräften des Regimes nicht mehr gelinge, wachsenden Protest niederzuschlagen, so die britische »Times« unter Berufung auf einen westlichen Geheimdienstbericht. Dasselbe gelte für den Fall, dass Sicherheitskräfte desertierten oder den Befehl verweigerten.
Der 86-jährige Khamenei plane, im Notfall mit einem Kreis von etwa 20 Personen aus Teheran zu entkommen, heißt es weiter. Der sogenannte Plan B gelte für Khameneis engste Vertraute und Angehörige, »einschließlich seines Sohnes und designierten Thronfolgers Mojtaba«, zitiert die Zeitung eine Geheimdienstquelle.
Analyst sieht Moskau als einzig denkbares Ziel
Die »Times« zitiert in ihrem Bericht außerdem den israelischen Geheimdienst-Analysten und Iranexperten Ben Sabti. Ihm zufolge sei für den Ajatollah allein eine Flucht nach Moskau denkbar, da es »keinen anderen Ort für ihn gibt«. Khamenei bewundere zudem die russische Kultur.
Der Plan basiere laut dem Geheimdienstbericht auf der Flucht des syrischen Diktators Baschar Assad, der Ende 2024 nach Russland floh, ehe oppositionelle Kämpfer die Hauptstadt Damaskus eroberten.
Russlands Präsident Wladimir Putin und Ajatollah Ali Khamenei bei einem Treffen in Iran 2022
Foto: Office of the Iranian Supreme Leader / AP»Sie haben einen Fluchtplan aus Teheran ausgearbeitet, falls sie das Bedürfnis verspüren sollten zu fliehen.« Der Plan umfasse auch das »Sammeln von Vermögenswerten, Immobilien im Ausland und Bargeld zur Erleichterung ihrer sicheren Flucht«, heißt es unter Berufung auf die nicht näher benannte Quelle. Es wird seit Jahren vermutet, dass Irans religiöses Oberhaupt über ein weitverzweigtes System Milliardenwerte kontrolliert.
Zuletzt landesweite Proteste
Khamenei werde in dem Bericht als »sowohl mental als auch physisch geschwächt« beschrieben, andererseits aber auch als »paranoider« Anführer. Während der israelischen Angriffe im vergangenen Jahr habe er sich tagelang in Bunkeranlagen verschanzt.
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In Iran hatte es in der vergangenen Woche erneut landesweite Proteste gegeben. Als Auslöser gelten die anhaltende wirtschaftliche Notlage des Landes sowie grundlegende Unzufriedenheit mit dem Regime, das in der Vergangenheit international ein Netzwerk von Verbündeten von Gaza über den Libanon bis Venezuela unterstützt hatte.
