SpOn 09.12.2025
14:16 Uhr

Internationaler Strafgerichtshof verurteilt sudanesischen Milizenführer zu 20 Jahren Haft


Im Sudan tobt ein blutiger Bürgerkrieg, weitestgehend im Schatten der Weltgeschichte. Nun hat Den Haag einen 76-jährigen Kommandeur bestraft. Für Verbrechen, die er vor zwei Jahrzehnten begangen hat.

Internationaler Strafgerichtshof verurteilt sudanesischen Milizenführer zu 20 Jahren Haft

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hat einen sudanesischen Milizenführer wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt. Ali Mohammed Ali Abd-Al-Rahman habe in seiner Rolle als ranghoher Kommandeur der berüchtigten arabischen Janjaweed-Milizen »aktiv« an mehreren Kriegsverbrechen während des Bürgerkriegs in dem nordafrikanischen Land vor zwanzig Jahren teilgenommen, befand das Gericht in Den Haag.

Der 76-Jährige stand teilnahmslos in dem Gerichtssaal, während die Vorsitzende Richterin Joanna Korner das Urteil verlas. Abd-Al-Rahman habe Schläge, unter anderem mit einer Axt, »persönlich ausgeführt« und Befehle zur Hinrichtung gegeben. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haftstrafe für den Milizenführer gefordert, der auch unter dem Kampfnamen Ali Kuscheib bekannt ist. Seine freiwillige Selbststellung, sein Alter und sein gutes Verhalten in Haft hätten jedoch zu einer Milderung des Urteils geführt, sagte Korner.

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Abd-Al-Rahman war im Oktober der Vorwürfe gegen ihn schuldig befunden worden. Der IStGH befand, er sei zwischen August 2003 und mindestens April 2004 für mehrere Verbrechen, darunter Vergewaltigung, Mord und Folter, verantwortlich gewesen.

300.000 Tote, 2,5 Millionen Vertriebene

Die Janjaweed-Milizen hatten in den Nullerjahren die sudanesische Regierung im Kampf gegen Rebellen in der westsudanesischen Region Darfur unterstützt. Dort hatten nicht arabischsprachige Rebellen gegen die von der arabischsprachigen Mehrheit dominierte Regierung des damaligen Präsidenten Omar al-Baschir gekämpft. In dem Konflikt wurden nach Uno-Angaben 300.000 Menschen getötet und 2,5 Millionen Menschen vertrieben.

Nach der Absetzung des langjährigen Machthabers al-Baschir im Jahr 2019 durch das sudanesische Militär floh Abd-Al-Rahman, der seit 2007 mit einem internationalen Haftbefehl gesucht wurde, in die Zentralafrikanische Republik und stellte sich. Er wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bis zuletzt zurück und erklärte, er sei nicht Ali Kuscheib. »Ich kenne diese Person nicht«, sagte er bei einer Gerichtsanhörung im Dezember 2024.

mrc/AFP