SpOn 25.01.2026
16:35 Uhr

Indien: Neuer Handelspakt mit der EU soll Zölle auf bestimmte Autos dramatisch senken


Indien und die EU arbeiten derzeit an einem umfassenden Handelspakt. Nun wurden erste Details öffentlich: Demnach könnte die deutsche Autoindustrie massiv von dem Deal profitieren.

Indien: Neuer Handelspakt mit der EU soll Zölle auf bestimmte Autos dramatisch senken

Seit die USA unter Donald Trump als Handelspartner immer unzuverlässiger werden, sucht die EU nach anderen Absatzmärkten und Handelsabkommen. Ein solches wird derzeit mit Indien verhandelt. Ein erstes Detail wurde bereits bekannt: Das Land wolle demnach die Zölle auf bestimmte, aus der EU importierte Autos, drastisch senken.

Teils sollen die Abgaben von bis zu 110 Prozent auf nur noch 40 Prozent gesenkt werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Es wäre die deutlichste Öffnung des indischen Marktes für ausländische Marken seit Langem.

Demnach soll die Regierung von Indiens Ministerpräsident Narendra Modi zugestimmt haben, die Zölle für bestimmte Fahrzeuge aus der EU umgehend zu kappen. Betroffen sind davon bestimmte Autos mit einem Kaufpreis von mehr als 15.000 Euro. Später sollen die Zölle sogar sukzessive auf nur noch zehn Prozent reduziert werden. Deutschen Herstellern wie VW, Mercedes oder BMW würde dadurch der Zugang zum indischen Markt erheblich erleichtert.

Erst mal profitieren nur Verbrenner

Vermutlich am Dienstag sollen weitere Details des umfassenden Paktes bekannt gegeben werden, der von teilnehmenden Verhandlern angeblich »Mother of all Deals« (Mutter aller Verträge) getauft wurde.

Der Pakt könnte den Handel zwischen EU und Indien massiv ausbauen. Indien könnte deutlich leichter Textilwaren und Juwelen exportieren. Zuletzt litt das Land stark darunter, dass die USA diese Waren mit Zöllen von 50 Prozent belegt hatten.

Der EU wiederum würde sich der nach Absatzzahlen drittgrößte Automarkt der Welt öffnen, rund 200.000 Fahrzeuge pro Jahr dürften künftig vergünstigt eingeführt werden. Die genauen Quoten könnten sich im Verlauf der Verhandlungen allerdings noch ändern, so die anonymen Quellen gegenüber der Nachrichtenagentur.

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Elektroautos seien vorerst von den Maßnahmen ausgenommen, heißt es. Indien will damit die heimischen Marken Mahindra & Mahindra sowie Tata Motors schützen. Nach fünf Jahren sollen die reduzierten Zölle dann auch für Stromer gelten.

Chance für die deutschen Hersteller

Bislang kommen gerade einmal vier Prozent der jährlich 4,4 Millionen in Indien verkauften Autos von europäischen Herstellern. Der Markt wird dominiert von Suzuki sowie den indischen Marken Mahindra & Mahindra und Tata Motors, die zusammen zwei Drittel des Marktes beherrschen.

Zwar produzieren einige Hersteller wie Mercedes-Benz und BMW in Indien, doch wegen der hohen Abgaben gelingt es ihnen bisher nicht, im Markt nennenswert Fuß zu fassen. Die neuen Zölle würden es den Herstellern ermöglichen, Autos günstiger zu importieren. So könnten sie testen, welche Modelle von indischen Kunden angenommen werden – um sie dann vor Ort fertigen zu lassen.

Analysten gehen davon aus, dass der Auto-Absatz in Indien bis 2030 auf 6 Millionen Fahrzeuge pro Jahr anwachsen könnte. Renault will davon profitieren und ein Comeback auf dem dortigen Markt wagen. Auch Volkswagen will für seine Marke Škoda dort erheblich investieren. EU

mhe/Reuters