SpOn 06.03.2026
13:51 Uhr

Indien: Donald Trump erlaubt Neu-Delhi 30 Tage lang Einkauf von russischem Rohöl


US-Präsident Donald Trump hatte Ölkäufe in Russland eigentlich mit einem Bann belegt. Doch jetzt, angesichts des Feldzugs gegen Iran, setzt er andere Prioritäten – zur Freude der indischen Regierung.

Indien: Donald Trump erlaubt Neu-Delhi 30 Tage lang Einkauf von russischem Rohöl

Angesichts der Ölknappheit infolge des Irankriegs decken sich indische Raffinerien ​Insidern zufolge wieder in großem Stil mit russischem Rohöl ein. Möglich macht dies eine Ausnahmegenehmigung der US-Regierung, die den Import von derzeit auf See befindlichen Ladungen erlaubt. Das US-Finanzministerium habe ‌eine entsprechende 30-tägige Befreiung erteilt, teilte Ressortchef Scott Bessent mit. »Um den Ölfluss auf dem Weltmarkt aufrechtzuerhalten, erteilt das Finanzministerium eine vorübergehende Ausnahmegenehmigung, die es indischen Raffinerien erlaubt, russisches Öl zu kaufen«, erklärte Bessent.

Die Maßnahme sei bewusst kurzfristig angelegt und verschaffe der russischen Regierung keine nennenswerten finanziellen Vorteile, da sie nur Transaktionen für bereits verschiffte Ladungen genehmige, hieß es in der Mitteilung weiter. Washington betrachtet den Schritt als Übergangslösung und erwartet, dass Indien langfristig mehr Öl aus den USA beziehen wird. ​Einem Insider zufolge hatte sich die Regierung in Neu-Delhi wegen des Irankonflikts an die Regierung von US-Präsident Donald Trump gewandt und um Zustimmung für die russischen ⁠Importe gebeten.

Hohe Nachfrage treibt die Preise

Sechs ⁠mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, dass staatliche Raffinerien wie Indian Oil, Bharat Petroleum, Hindustan Petroleum und Mangalore Refinery derzeit mit Händlern über sofortige Lieferungen verhandelten. Einer der Insider bezifferte das Volumen des bisher von den Staatskonzernen erworbenen russischen Öls auf rund 20 Millionen Barrel. ‌Auch der private Mischkonzern Reliance Industries habe Interesse an kurzfristigen Lieferungen signalisiert.

Die hohe Nachfrage treibt die Preise: ​Händler verkaufen die russische Sorte Urals ‌derzeit mit einem Aufschlag von vier bis fünf Dollar pro Barrel gegenüber der Nordsee-Sorte Brent für Lieferungen im März und April. Dies steht im scharfen Kontrast zu einem Abschlag von etwa 13 Dollar, der noch im Februar für Ladungen gezahlt wurde. »Indische Raffinerien sind zurück auf dem Markt«, sagte ein Händler.

Gefährliche Abhängigkeit

Indien ist in hohem Maße von Energieimporten abhängig. ‌Die Rohölvorräte des Landes decken nur etwa 25 Tage der Nachfrage. Rund 40 Prozent der Ölimporte gelangen aus dem Nahen Osten durch die Straße von Hormus nach Indien. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 war das südasiatische Land zunächst ‌zum größten Käufer von russischem Öl aufgestiegen, das auf dem Seeweg ​transportiert wird.

Mehr zum Thema

Im Januar begannen die indischen Raffinerien jedoch auf Druck aus Washington, ‌die Käufe zu reduzieren. Damit wollte die Regierung in Neu-Delhi US-Strafzölle von 25 Prozent ‌vermeiden und ein vorläufiges Handelsabkommen mit ​den USA absichern. Ob die USA Indien erlaubt haben, die russischen Käufe dauerhaft zu erhöhen, um mögliche Ausfälle aus dem Nahen Osten auszugleichen, ist derzeit unklar. Weder das ​Weiße Haus noch die indischen Ministerien für Öl und Außenpolitik nahmen zunächst ⁠Stellung.

Nach dem zuletzt rasanten Ölpreisanstieg war am Freitag zunächst ​Durchatmen angesagt. ​Das Nordseeöl Brent verbilligte sich in der Spitze um 2,6 Prozent auf 83,16 Dollar je Fass. Das US-Öl WTI wurde mit 78,24 Dollar je Fass zeitweise 3,4 Prozent niedriger gehandelt.

mik/Reuters