ICE-Agenten ringen Menschen auf offener Straße nieder, schlagen Scheiben ein, zerren Leute aus Supermärkten und führen sogar kleine Kinder ab: Bilder von skrupellosen Einsätzen der Mitarbeiter der umstrittenen US-Einwanderungsbehörde sorgen in den USA und darüber hinaus immer wieder für Schlagzeilen. Die Einsatzkräfte haben es auf Anordnung von Präsident Donald Trump vor allem auf Menschen abgesehen, die ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung in den USA leben.
Seit Trump wieder im Amt ist, hat sich bei ICE einiges geändert. Die Zahl der Einsatzkräfte wird derzeit mehr als verdoppelt, von 10.000 auf 22.000 Personen. Die Grundausbildung dauert nun nur noch sechs bis acht Wochen. Früher waren es 13 oder mehr. Und es wird nicht mehr so genau hingeschaut, ob die Auszubildenden womöglich vorbestraft oder drogenabhängig sind (mehr dazu hier ).
In Washington hat am Montag der frühere ICE-Anwalt Ryan Schwank ausgesagt, er war einst für die Ausbildung der angehenden ICE-Agenten zuständig. Er warnte bei einem von den oppositionellen Demokraten einberufenen Termin, das ICE-Ausbildungsprogramm für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei »mangelhaft, fehlerhaft und kaputt«.
Ryan Schwank bei dem Forum zum Thema »Verfassungsverstöße und Missbräuche durch ICE«
Foto:Jim Lo Scalzo / EPA
Das Heimatschutzministerium behaupte, angehende Agenten würden alle für die Ausübung ihrer Aufgaben erforderlichen Schulungen erhalten und dass keine wichtigen Inhalte oder Standards gestrichen wurden, sagte Schwank. »Das ist eine Lüge. ICE hat das Programm verkürzt und so viele wesentliche Teile gestrichen, dass nur noch eine gefährliche Hülle übrig geblieben ist.«
Das Ministerium hingegen bestreitet, dass es Ausbildungsanforderungen gestrichen oder gelockert habe. In einer Mitteilung vom Montag heißt es, ICE-Rekruten würden eine 56-tägige Ausbildung und durchschnittlich 28 Tage Training am Arbeitsplatz durchlaufen.
Kritiker werfen den Einsatzkräften immer wieder vor, bei der Festnahme von Einwanderern übermäßige Gewalt anzuwenden, Umstehende anzugreifen, die ihr Verhalten filmen, oder die verfassungsmäßigen Schutzrechte der Menschen nicht zu beachten. Anfang des Jahres tötete ein ICE-Mitarbeiter die US-Bürgerin Renee Good; kurz darauf starb Alex Pretti durch Schüsse von Border-Patrol-Agenten. Die Todesfälle lösten im ganzen Land Proteste aus.
Verlorene Regionalwahlen, Protest gegen ICE-Häscher: Immer mehr Bürgerinnen und Bürger wollen die Politik des US-Präsidenten nicht länger hinnehmen. Der erwägt drastische Maßnahmen.

