SpOn 22.01.2026
18:21 Uhr

ICE in Minnesota: US-Abschiebebehörde schickt offenbar Fünfjährigen in Internierungslager


Von der Vorschule ins Internierungslager? In Minnesota ist der fünf Jahre alte Liam Conejo Ramos gemeinsam mit seinem Vater von ICE-Agenten festgesetzt und offenbar nach Texas geschickt worden.

ICE in Minnesota: US-Abschiebebehörde schickt offenbar Fünfjährigen in Internierungslager

Die umstrittene US-Einwanderungsbehörde ICE hat in Minnesota einen Fünfjährigen und dessen Vater mitgenommen. Der Junge sei aufgegriffen worden, als er gerade von der Vorschule nach Hause kam, teilten Schulbeamte auf einer Pressekonferenz mit, wie US-Medien übereinstimmend berichten.

Liam Conejo Ramos sei zusammen mit seinem Vater in ein texanisches Internierungslager gebracht worden, teilten Mitarbeiter des Schulbezirks Columbia Heights demnach auf der Pressekonferenz mit. Der Junge sei eines von vier Kindern des Schulbezirks, die in den vergangenen zwei Wochen von ICE-Beamten in Gewahrsam genommen worden seien.

Laut Angaben der Schulbehörde wurde das Kind von den ICE-Agenten angewiesen, an seine Haustür zu klopfen und um Einlass zu bitten, um zu überprüfen, ob noch jemand zu Hause war. Im Prinzip sei der Junge »als Köder benutzt« worden, sagte die Leiterin der Schulbehörde, Zena Stenvik, laut Medienberichten.

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»Warum sollte man ein fünfjähriges Kind festhalten? Mir kann doch niemand erzählen, dass dieses Kind später als gewalttätiger Krimineller eingestuft wird«, wird Stenvik weiter zitiert. Die Schulbehörde erklärte, die Familie sei in einem laufenden Asylverfahren, es liege keine Abschiebungsverfügung vor.

Eine Sprecherin des Heimatschutzministeriums erklärte laut Medienberichten in einer Stellungnahme, dass ICE »kein Kind ins Visier genommen« habe. Die Agenten hätten vielmehr eine Operation durchgeführt, um den Vater des Kindes festzunehmen, der sich illegal in den USA aufhalte. Er sei ohne den Jungen zu Fuß geflohen, hieß es in der Stellungnahme.

Das Kind sei zu seiner eigenen Sicherheit bei einem ICE-Mitarbeiter geblieben, heißt es demnach weiter in der Stellungnahme. Und Eltern hätten generell die Wahl, mit ihren Kindern abgeschoben zu werden oder sie bei einer Person ihrer Wahl unterzubringen.

ICE-Agenten in Minneapolis

ICE-Agenten in Minneapolis

Foto: Olga Fedorova / EPA

Die Leiterin der Schulbehörde, Stenvik, sagte hingegen, dass ein weiterer erwachsener Hausbewohner das Kind betreuen wollte, ICE den Vorschüler aber dennoch mitgenommen habe.

Anwalt der Familie: »Das ist also einfach nur grausam«

Dem Anwalt der Familie zufolge werden Vater und Sohn in einer Familienzelle in Texas festgehalten. »Bei jedem Schritt ihres Einwanderungsverfahrens haben sie getan, was von ihnen verlangt wurde«, sagte der Anwalt bei einer Pressekonferenz über den Asylantrag der Familie. »Das ist also einfach nur grausam.«

US-Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Wochen Tausende ICE-Mitarbeiter in den Großraum Minneapolis entsandt. Das Auftreten der bewaffneten und oft maskierten Einsatzkräfte in militärischer Tarnkleidung hat zu lautstarken Protesten der ⁠Bevölkerung geführt.

Die Lage hatte sich vor knapp zwei Wochen weiter zugespitzt, als ‌die US-Bürgerin Renée Good in ihrem ‍Auto von einem ICE-Mitarbeiter erschossen wurde. Zudem setzten Bundeskräfte Tränengas und andere Reizstoffe gegen Demonstranten ein. ‍Für Empörung sorgte auch das Vorgehen gegen schwarze, lateinamerikanische und asiatisch-stämmige US-Bürger, die offenbar aufgrund ihrer Hautfarbe kontrolliert oder festgenommen wurden. In ‍einem Fall wurde ein Mann am Sonntag in Unterwäsche und Sandalen fälschlicherweise ⁠aus seinem ​Haus gezerrt.

Renée Good trifft auf einen Uniformierten der Abschiebepolizei ICE, Jonathan R. Er tötet die Mutter von drei Kindern mit drei Schüssen. Wie im Amerika von Donald Trump zwei unterschiedliche Versionen des ICE-Einsatzes entstanden sind, lesen Sie hier .

svs