SpOn 23.11.2025
08:41 Uhr

Hype um Lennart Karl von Bayern München: 17 Jahr, wunderbar


Nach dem 6:2 gegen Freiburg spricht Lennart Karl nun selbst schon über Vergleiche mit Argentiniens Superstar Lionel Messi. Beim FC Bayern wollen sie ihn aber ganz bewusst nicht einbremsen.

Hype um Lennart Karl von Bayern München: 17 Jahr, wunderbar

Vincent Kompany wirkte amüsiert. Auf der Pressekonferenz nach dem 6:2 gegen den SC Freiburg fragte ein Reporter, ob man Lennart Karl schon mit Lionel Messi vergleichen dürfe. »Du willst nur aus meinem Mund hören, dass ich das bestätige«, entgegnete der Trainer des FC Bayern schmunzelnd.

Dann meinte er noch, dass der 17-Jährige »seine eigene Geschichte schreiben« solle, um »die beste Version von Lennart Karl« zu bekommen. Und dann sagte Kompany noch: »Lenny ist Lenny.« Und nicht Lionel.

»Natürlich, wenn es so weiter geht«

Die Frage kam ja auch nur deshalb auf, weil Lennart Karl selbst nach Spielende zu einem Vergleich mit dem argentinischen Superstar erklärte, das dürfe man ruhig machen. Später wurde er in der Interview-Zone noch einmal konkret damit konfrontiert. Karl gestand zwar ein: »Jetzt kann ich mich noch nicht mit Messi vergleichen, er ist etwas ganz anderes.« Aber ob er die Qualität von Messi jemals erreichen könne, dazu sagte er sehr nüchtern: »Also erreichen können, natürlich, wenn es so weiter geht.«

Lennart Karl und viele Freiburger

Lennart Karl und viele Freiburger

Foto: Matthias Schrader / AP

»Natürlich«. Das sagte er wirklich. Ganz selbstverständlich. Als sei die Frage etwas abwegig. Wie man nur daran zweifeln könne.

Meinte Lennart Karl das wirklich ganz im Ernst? Auf dem Weg zum neuen Messi? Echt jetzt?

Tor zum 1:2 als entscheidend

Am Samstagnachmittag zeigte Lennart Karl in der Tat eine sehr starke Leistung. Früh waren die Bayern 0:2 zurückgelegen, die Freiburger Treffer resultierten beide aus Eckbällen. Als Kompany später die entscheidende Szene des Spiels herausheben sollte, entschied er sich für den Anschlusstreffer zum 1:2. Eine wunderbare Koproduktion von Michael Olise und Karl, der ins lange Eck vollendete. Es war der Wendepunkt. Kurz vor der Halbzeit erzielte Olise selbst den Ausgleich, diesmal nach Vorlage von Karl.

Auch nach dem Wechsel überragte das Duo im Zusammenspiel, und wenn man Lennart Karl beobachtete, fiel es auf, wie er immer wieder mit den Armen ruderte, Zuspiele einforderte, auf gut positionierte Mitspieler deutete – bis er dann nach 70 Minuten vom Feld musste, eine Verletzung an der Hüfte vom Training am Vortag.

Nichts Gravierendes, so beteuerten es die Verantwortlichen, keine Gefahr für das Top-Spiel in der Champions League am Mittwoch beim FC Arsenal. Und so stand der 17-jährige Lennart Karl nach dem Spiel schon wieder gut gelaunt Rede und Antwort vor den vielen Mikrofonen.

Erst mal schön auf dem Boden bleiben

Auch das war schon einmal anders beim FC Bayern. Manch junges Talent, das in den vergangenen Jahrzehnten in den ersten Pflichtspielen für Furore sorgte, schleusten die Medienbeauftragten des Klubs durch eigene Seitengänge des Stadions fernab der Reporter Richtung Mannschaftsbus.

Ein Ballartist ist er jetzt schon

Ein Ballartist ist er jetzt schon

Foto: Sven Hoppe / dpa

Man wollte unbedachte Äußerungen vermeiden, nicht dass sich die Nachwuchsspieler nur wegen ein, zwei guter Spiele schon für die Allergrößten halten. Erst mal schön auf dem Boden bleiben. Und ihnen durch mediale Präsenz bloß nicht das Gefühl geben, dass sie wichtig seien. Reden kann man später ja immer noch.

Dass Karl hingegen schon nach seinen ersten Saisonspielen wie auch nun am Samstag vor Kameras und Aufnahmegeräten stehen bleiben durfte, hat einen ganz einfachen Grund. Denn einerseits können ihn die Bayern gar nicht einfangen.

Und andererseits wollen sie das auch gar nicht, wie Kompany später zu erkennen gab.

Er hat noch Schwächen

»Ich finde es wichtig, dass Lenny diese Phase genießt«, sagte der Bayern-Trainer, »wenn viel Hype kommt, dann ist das okay.« Es hörte sich an, als wolle er Karl ganz bewusst nicht einbremsen, sondern ihn einfach machen und spielen lassen. Kompany hat erkannt, dass der 17-Jährige schon jetzt ein Unterschiedsspieler sein kann, der auch in schwierigen Situationen wie nach dem 0:2 am Samstag eine bis dahin äußerst müde Mannschaft aufwecken und mitreißen kann.

Vergleiche mit Messi – echt jetzt?

Vergleiche mit Messi – echt jetzt?

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / AFP

Dass er in seinem Spiel aber noch deutliche Schwächen hat, auch das zeigte sich am Samstag. Manchmal verlor er auch am Samstag wieder leichte Bälle, ausbaufähig ist zudem das defensive Zweikampfverhalten. Und ob er nun wirklich an jedem Wochenende die Gegenspieler mit angedeuteten Übersteigern provozieren muss, sei auch dahingestellt.

Mit dem Bolzplatz-Mindset

Aber bei den Bayern lassen sie ihm ganz bewusst die Freiheiten, das Ungestüme, das Ungezügelte. Mutet bei den übrigen Top-Stars der Mannschaft vieles so abgeklärt und routiniert an, so kommt Lennart Karl immer noch wie der ungeschliffene Straßenkicker rüber. Und wenn einer mit diesem rohen Bolzplatz-Mindset glaubt, er sei auf dem Weg zum nächsten Superstar, dann bitte sehr.

Auf die Bremse der Begeisterung trat kürzlich schon Julian Nagelsmann. Auf Karl angesprochen, antwortete der Bundestrainer, er sei »kein Freund vom extrem frühen Hypen und Hochpushen«. Und ein »ein Hypen« der Talente halte er für »nicht gesund«. Nach den drei Toren in seinen ersten beiden U21-Länderspielen vergangene Woche, nach den bisher gezeigten Saisonleistungen ist Karl für Nagelsmann in jedem Fall eine Option für die WM im kommenden Jahr.

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Auch Karl wurde noch zu seinen Gedanken bezüglich einer möglichen Berufung in den Kader für die Weltmeisterschaft gefragt. »Ich muss meine Leistung bringen und muss dann schauen, was Julian macht«, sagte Karl, und schloss mit den Worten: »Und dann wird es schon irgendwie klappen.«

Natürlich. Welch eine Frage.

Bei den Bayern wollen sie ihn in seiner schier unerschütterlichen Überzeugung von sich selbst jedenfalls erst einmal machen lassen. Die ersten Dämpfer kommen dann schon von ganz allein. Wie Karl dann mit Rückschlägen, Formtiefs und richtigen Krisen umgeht, daran wird sich erst wirklich zeigen, ob er das Zeug dazu hat, jemals ein ganz großer Spieler zu werden, eine echte Führungspersönlichkeit.

Muss ja nicht gleich Messi sein.