Georg Fahrion, SPIEGEL:
»24 Stunden nachdem das Feuer in der Hongkonger Wohnanlage entdeckt worden ist, hängt hier immer noch einen stechender Rauchgeruch in der Luft. Man kriegt einen ganz rauen Hals, wenn man hier eine Weile rumgelaufen ist. Die Feuer an sich sind aber weitestgehend gelöscht mittlerweile. Es gibt noch einige Brandnester in höheren Stockwerken, da ist die Feuerwehr noch dabei.
Es sind dutzende Feuerwehrwagen noch hier vor Ort, es sind bestimmt tausende Schaulustige gekommen und Nachbarn. Und dennoch empfinde ich hier die Atmosphäre eigentlich als sehr ruhig. Man merkt, das Schlimmste ist vorüber und die Leute fangen jetzt an, damit den Schaden zu begutachten.
Der Wang Fuk Court, so heißt diese Wohnanlage, hat acht hohe Gebäude, sieben davon sind in Mitleidenschaft gezogen worden, haben gebrannt. Zwei davon sind praktisch komplett ausgebrannt. Die sind von oben bis unten schwarz.
Man kann sich kaum vorstellen, wie da ein Mensch, der auf einem der oberen Stockwerke sich aufgehalten hat, es nach unten geschafft haben soll. Da muss man schon wahnsinnig viel Glück gehabt haben. Die Überlebenden, etwa 4000 Menschen haben in dieser Anlage gelebt,
Die Überlebenden sind jetzt in Zelten untergebracht oder bei Verwandten. Die Regierung betreibt diese Shelter, aber auch die Hongkonger Zivilgesellschaft und die Hongkonger Unternehmen tun eine ganze Menge: McDonald's verteilte gratis Frühstücke, eine Fitnessstudiokette, lädt Überlebende zum Duschen ein.
Viele Anwohner spenden Blut oder haben ein großes Lager aufgebaut, hier auf einem nahegelegenen Platz, wo sie Kleiderspenden verteilen, wo man sich eine Banane, einen Kuchen, eine Gatorade holen kann und sich also versorgen kann. Und das ist einfach eine große Stärke der Hongkonger Zivilgesellschaft, dass die so aktiv und gut organisiert ist. Und das kommt den Menschen hier in Wang Fuk eben auch jetzt zugute.«